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Sexualität : Wie sag ich’s bloß meinem Kind?

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Vielleicht ließen sich einige imaginierte Peinlichkeiten ersparen, wenn Eltern genauer wüssten, was Kinder welchen Alters an Geschlechtlichkeit interessiert - und was nicht. „Eltern müssen begreifen, dass kindliche Sexualität etwas ganz anderes ist als die der Erwachsenen“, sagt Stumpe: „Ihre Sexualität ist nicht auf ein Objekt gerichtet, sondern ganz selbstbezogen.“ Drei- bis vierjährige Kinder wollen vor allem ihren eigenen Körper fühlen lernen. Auf das andere Geschlecht werfen sie beim Toilettengang im Kindergarten zwar gern mal einen Blick, aber das reicht meistens auch.

Wie kommt das Baby in den Bauch?

Die kleinen Egozentriker interessieren sich vor allem deshalb brennend dafür, wie Babys im Bauch heranwachsen, weil sie selbst so entstanden sind. Ob ihre Eltern bei der Produktion Spaß hatten, ist ihnen dagegen ziemlich schnuppe. Erste erkundende Doktorspiele sind im Vorschulalter typisch und kein Grund für Eltern, nervös zu werden. Wer Patient ist, soll sich zeigen, wird abgehorcht und bekommt eine Spritze, das war’s dann meistens. Dass Sexstellungen nachgespielt oder Gegenstände in Körperöffnungen eingeführt werden, ist hingegen äußerst untypisch.

Wie aber redet man nun richtig über Sex? Erst einmal sollte man schon ganz kleinen Kindern kindgerechte Wörter für männliche und weibliche Geschlechtsteile beibringen. Einem neugierigen Mädchen kann man auch mal einen Spiegel in die Hand drücken, damit klar ist: da ist was. Irgendwann im Vorschulalter sollten Jungs wie Mädchen wissen, dass es neben den lustigen privaten Wörtern die normalen öffentlichen Wörter gibt und man die Pflaume daher auch Vulva und den Pimpi Penis nennt.

Und dass Doofe auch noch doofe Wörter dafür haben. Die muss man dem Kind nicht unbedingt vorbeten, die lernt es sowieso. Wichtig ist, dass es nicht nur um die Sache mit den Bienen und den Blumen geht. Aufklärung heißt auch, den Kindern Achtung vor ihrem eigenen Körper und dem der anderen zu vermitteln, ihnen Neinsagen beizubringen, damit sie sich vor Übergriffen schützen können.

Solche Zeichnungen dienen der Sexualerziehung von Sechs- bis Zwölfjährigen.
Solche Zeichnungen dienen der Sexualerziehung von Sechs- bis Zwölfjährigen. : Bild: Illustrationen: Christine Aebi, Helge Streit, Nilüfer Simsek, Maria Dalhoff

Gute Aufklärungsbücher sind daher nicht nur nützlich, weil sie sprachlosen Eltern Worte geben, sondern weil Kinder einfach gern sehen, wie das Baby im Bauch wohnt, oder dass sie selbst mal aussahen wie Gummibärchen. Die Auswahl ist dafür, dass es um immer die gleiche Sache geht, geradezu erschreckend groß.

“Jede Familie braucht eigentlich nur ein Buch, das altersgerecht ist“, sagt Ulrike Metzger, Verlegerin des Ravensburger Verlags. Damit es auch wirklich zum Alter passt, wird heute stark differenziert: in Bücher für Zweijährige, für Vier- bis Sechsjährige, für die Präpubertären und zuletzt für die Pubertierenden. Von elf, zwölf Jahren an wird gern in Jungsbücher und Mädchenbücher unterteilt. Ansonsten hat sich in den letzten dreißig Jahren wenig geändert.

“Ende der 70er gab es einen großen Schritt. Was jetzt geschieht, sind kleinere Änderungen und Geschmacksanpassungen“, sagt Metzger. Das stimmt, der comicartige Klassiker „Peter, Ida und Minimum“, seit 1979 bei Ravensburger immer wieder aufgelegt, funktioniert noch heute, weil die Drumherumgeschichte über Familie Lindström stimmig ist - auch wenn die Klamotten out sind und Babys nicht mehr hinter der Glasscheibe präsentiert werden.

Tabufreie Aufklärung bleibt out

Umgekehrt werden Fotobände von Anfang der 70er Jahre, die zur tabufreien Aufklärung Nahaufnahmen von Genitalien und elterlichem Geschlechtsverkehr zeigten, wohl auch weiter out bleiben. Nicht nur, weil man die falschen Käufer fürchtet oder weil Eltern heute prüder sind. Sondern weil künstlerische Fotos vielleicht Sechzehnjährige erfreuen, die mal eine natürlichere Nacktheit als im Internetporno sehen wollen, aber diese Art der Darstellung die Interessen einer gar nicht so an optischen Details interessierten kindlichen Zielgruppe völlig verfehlt.

Für Kinder wird also gezeichnet, mal besser, mal schlechter, aber immer freundlich harmlos. Schwieriger bleibt es mit der Sprache. „Man muss schlicht zur Sache kommen, darf weder nach Biologiebuch klingen noch sich an Jugendsprache anbiedern“, sagt Sabine Thor-Wiedemann, Autorin mehrerer bekannter Aufklärungsbücher für Kinder und Jugendliche. „Gerade in Büchern, die vorgelesen werden, formuliert man ja für Kinder wie Eltern gleichermaßen“, sagt die Medizinerin. Es wär’ ja schön, wenn man übers Lesen zu einer gemeinsamen Sprache käme.

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