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Cannabis-Konsum : Kiffen vergiftet die kreativsten Köpfe

  • -Aktualisiert am

 Die Website des DHV ist ein gutes Beispiel für die Verharmlosung des Cannabis-Gebrauchs. Die Vorzüge von Cannabis werden ohne jede Belege dargestellt, die Risiken aber unter Berufung auf nicht gesicherte wissenschaftliche Befunde bezweifelt. Es wird ohne jeden Nachweis behauptet, dass unter Cannabiseinfluss „neuartige Ideen und Einsichten“ aufträten und dass „das Gemeinschaftserleben unter Freunden intensiviert wird“. Wenn es aber um negative Folgen geht, wie das erhöhte Krebsrisiko, wird darauf verwiesen, dass dies „nicht zweifelsfrei nachgewiesen wurde“. Auch die Auswirkungen von Cannabis auf Schwangerschaft und Neugeborene seien „umstritten“. Durch Cannabis bedingte kardiale und zerebrale Ischämien, d.h. Herzinfarkte und Schlaganfälle, die zum Tod führten, werden auf der DHV-Seite gar nicht erwähnt.

In Bezug auf das Ärzten, Psychotherapeuten und Drogenberatern gut bekannte  amotivationale Syndrom heißt es auf der Seite des DHV: „Vielmehr müssen Eigenschaften der Person, die unabhängig vom Cannabiskonsum vorhanden sind, zur Erklärung eines demotivierten Gemütszustands herangezogen werden“. Dies ist eine Binsenweisheit, denn jede Droge trifft auf „Eigenschaften der Person“, die Betroffene mehr oder weniger gefährden.  Bei mit Cannabis verbundenen Angsterkrankungen und manisch-depressiven Störungen wird der Eindruck erweckt, als diene Cannabis nur der Selbstbehandlung: „So geht man davon aus, dass psychische Probleme wie beispielsweise Depressionen das Risiko erhöhen, Cannabis im Sinne einer ‚Selbstmedikation‘ zu missbrauchen“ (a.a.O. S. 4). Von den unmittelbaren Risiken „sind vor allem Konsumenten betroffen, die mit der Wirkung von Cannabis noch nicht vertraut sind“ (a.a.O. S. 2). Wissenschaftliche Studien zur Begründung dieser Einladung, auch bei schweren psychischen Erkrankungen getrost Cannabis weiter zu konsumieren, werden nicht erwähnt. Diese zeigen nämlich, dass bei einem wöchentlichen Cannabiskonsum bis zum 29. Lebensjahr das Risiko für Angsterkrankungen signifikant erhöht ist. Bei Cannabisabhängigen ergibt sich 2,5, bis 6-fach erhöhtes Risiko für Angststörungen. Schwere Depressionen mit manischen Phasen im Wechsel, sind doppelt so häufig bei Cannabismissbrauch. Schließlich werden mit Cannabiskonsum verbundene Suizide und mitunter tödliche Verkehrsunfälle auf der Seite des DHV unter den Risiken überhaupt nicht erwähnt.

  • Hoch, E., Bonnet, U., Thomasius, R., Ganzer, F., Havemann-Reinecke, U., Preuss, U. W. (2015): Risiken bei nicht medizinischem Gebrauch von Cannabis.Deutsches Ärzteblatt, 112, 16, S. 271-278
  • Volkow, N.D., Baler, R.D., Compton, W.M. & Weiss, S.R.B. (2014): Adverse Health Effects   of Marijuana Use. New England Journal of Medicine, 370: 2219-2227

             

Der Autor

Professor Rainer M. Holm-Hadulla ist Psychiater und Psychoanalytiker an der Universität Heidelberg.

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