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Cannabis-Konsum : Kiffen vergiftet die kreativsten Köpfe

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Jones, Jim Morrison und Amy Winehouse, die durch Alkohol und Drogen ihre Kreativität und sich selbst zerstörten, in Vergessenheit geraten. Dabei zeigen Einzelfallstudien, dass Alkohol und Drogen konsumierende Künstler nicht kreativ waren, weil, sondern obwohl sie Drogen einnahmen. Diejenigen, die länger schöpferisch sind, verzichten irgendwann einmal auf Cannabis und andere Drogen sowie auf regelmäßig zu hohe Mengen Alkohols. Viele sind aber schon vorher auf der Strecke geblieben.

In meiner Beratungs- und Therapiepraxis kontaktieren mich viele jugendliche Patienten wegen diffuser Verstimmungen, Konzentrationsstörungen, Lustlosigkeit und Beziehungsproblemen. Die Betroffenen und ihr Umfeld kommen erstaunlicherweise nicht auf die Idee, dass dies auch an ihrem Cannabiskonsum liegen könnte. Sie reagieren manchmal sogar ärgerlich, wenn man diese Möglichkeit nur in Betracht zieht. Gelingt es ihnen aber, ihren Cannabis-konsum zu reduzieren, verbessert sich ihre Stimmung, die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu, und ihre Beziehungen werden lebendiger.

Viele erleben den Cannabis-Konsum als angenehm und entspannend. Aber ist diese Entspannung beispielgebend? Es ist naheliegend, dass bei verbreitetem Gebrauch auch Pubertierende ihre Energien durch Cannabis zähmen möchten. Dabei gibt es bessere Rituale, die Turbulenzen des Erwachsenwerdens zu gestalten, etwa Musik, Kunst, Literatur, Sport und nicht zuletzt schulisches Lernen. Diese verlangen allerdings mehr Aktivität und kosten Geld. Schließlich sind auch Freundschaften, Liebesbeziehungen und Sexualität kreative Aufgaben, die durch Cannabis eher gedämpft werden können Die Aussage des Kunststudenten, Cannabis beruhige und entspanne, gilt auch für manche Eltern, Lehrer und Politiker. Der Schaden dieser beruhigten Entspannung ist leider nicht unerheblich.

(*) UPDATE v. 10. Juli, 18.40 Uhr: „Die Zahl 160.000 bezieht sich nicht auf Patientinnen und Patienten, die unter cannabisinduzierten Psychosen aus dem schizophrenen Spektrum leiden, sondern auf das geschätzte Drittel von Cannabisabhängigen, die sehr schwere emotionale, intellektuelle und soziale Beeinträchtigungen aufweisen."

UPDATE v. 20. August, 19.00 Uhr. Eine Richtigstellung: Die im Artikel zitierte Aussage, dass bei Cannabiskonsumenten das Psychoserisiko nur auf 1,2 Prozent steigt, findet sich bei Wikipedia und nicht auf der Website des Deutschen Hanfverbandes (DHV). Der DHV bezweifelt allerdings die Eindeutigkeit der wissenschaftlich und klinisch gut belegten Erhöhung des Psychoserisikos gänzlich:  „Verbreitet ist die Annahme, dass Cannabis Psychosen auslösen kann. Die Forschung ist hierzu allerdings nicht eindeutig.“ Die Forschung und die klinische Erfahrung sind in diesem Punkt sehr wohl eindeutig. Unsicherheit herrscht nur in Bezug auf das Ausmaß der Risikoerhöhung. Entgegen der wissenschaftlichen Befunde, die zum Beispiel den Metaanalysen und Übersichtsartikeln im New England Journal of Medicine (2014) und dem Deutschen Ärzteblatt (2015) zu entnehmen sind, finden sich weitere tendenziöse Verharmlosungen auf der Website des DHV:  „Nach heutigem Kenntnisstand werden jedoch keine bleibende Hirnschäden verursacht" und „dass gravierende Hirnschäden wie sie bei Alkohol bekannt sind, nicht verursacht werden.“  Richtig ist, dass, wie im Artikel beschrieben, bleibende Schädigungen des Gehirns mit messbaren Volumenminderungen der Amygdala-Kerne, des Hippocampus und der axonalen Faserbahnen nachgewiesen wurden (Volkow et al. 2014,  Hoch et al. 2015).

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