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Cannabis-Konsum : Kiffen vergiftet die kreativsten Köpfe

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Bild: Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

Im „New England Journal of Medicine“ wurden 2014 die wissenschaftlichen Daten zusammengefasst und bewertet. Bei häufigem Konsum von den heute üblichen hochdosierten Cannabisprodukten verdoppelt sich das Psychoserisiko. Schädigungen der Hirnentwicklung, die mit Störungen von Motivation, Konzentration und Gedächtnis einhergehen, gelten als wissenschaftlich bewiesen. Die substantiellen Hirnveränderungen bei Cannabiskonsumenten, insbesondere des heute üblichen, stark konzentrierten THC, zeigen sich vorwiegend im Hippocampus, der für Gedächtnisfunktionen von großer Bedeutung ist, und in den Amygdala-Kernen, die für die Emotionsregulation wichtig sind. Die Funktionsstörungen des Gehirns lassen sich auch durch einen Abfall des Intelligenzquotienten objektivieren. Auch das kombinatorische Denken wird durch Cannabis beeinträchtigt. Die Störungen von Hirnfunktionen und Hirnstrukturen sind bei frühzeitigem, längerem und hochdosiertem Gebrauch oft dauerhaft. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei häufigem Cannabiskonsum vermehrt Ängste und Depressionen auftreten. Statistisch ist chronischer Marihuanagebrauch mit geringerem Einkommen, Arbeitslosigkeit, sozialer Hilfsbedürftigkeit, kriminellem Verhalten und geringerer Lebenszufriedenheit assoziiert.

Cannabis kann auch zu Vergiftungen und im Straßenverkehr zu tödlichen Unfällen führen. Eine Meta-Analyse zeigt, dass das Unfallrisiko doppelt so hoch ist, wenn eine Person kurz nach Marihuana-Konsum Auto fährt. Es ist atemberaubend, wie solche Befunde, die man auch unlängst im „Deutschen Ärzteblatt“ nachlesen konnte, ignoriert werden. So schreibt ein Autor einer großen Tageszeitung im Brustton der Überzeugung, dass „die Zahl der bekannten Haschisch-Toten bei null“ läge.

Besonders gefährlich ist der Cannabiskonsum während der Pubertät. Diese Lebensphase ist wegen der in dieser Zeit stattfindenden neuronalen Umbauprozesse besonders anfällig. Deswegen ist es katastrophal, wenn Jugendliche schon mit zwölf Jahren oder früher beginnen, Haschisch und Marihuana zu rauchen und große Mengen Alkohols zu trinken. Dabei wird gebetsmühlenhaft wiederholt, dass Cannabis weniger Menschen schade als Alkohol. Ist das ein Trost angesichts der viel weiteren Verbreitung von Alkohol?

In manchen Länder ist der Konsum von Marihuana legal.
In manchen Länder ist der Konsum von Marihuana legal. : Bild: dpa

Neben Hirnveränderungen und psychotischen Erkrankungen kann Cannabis zu weniger deutlichen, aber doch gravierenden Entwicklungsbeeinträchtigungen führen. Nicht nur aus neurobiologischer, sondern auch aus psychoanalytischer Sicht ist die Adoleszenz, das typische Eintrittsalter für Cannabisgebrauch, eine hochkreative Umbauphase. Sie ist mit Spannungen und Konflikten verbunden. Wenn man diese persönlichen und sozialen Spannungen nicht durchlebt, sondern chemisch dämpft, geht persönliches Entwicklungspotential verloren. So dient Cannabis eben nicht dem emanzipatorischen Unabhängigkeitsbestreben, sondern dem resignativen Einfügen in bestehende Missstände.

Bei frühem Beginn und hochdosiertem Gebrauch sprechen Patientinnen und Patienten rückblickend oft von einem „Loch in ihrer Entwicklung“. Dennoch werden in der letzten Zeit wieder Stimmen lauter, die Cannabis und anderen Drogen kreativitätsfördernde Wirkungen zuschreiben. Es ist so, als wären Janis Joplin, Jimmy Hendrix, Brian

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