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Männlich oder weiblich? : Keine Spur vom Gender-Gehirn

Typisch Frau - typisch Mann? Bild: dpa

Gibt es das „männliche“ oder „weibliche“ Gehirn? Geht man allein nach deren Architektur, gibt es die Zweiteilung der Geschlechter jedenfalls nicht. Aber was bedeutet das schon?

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          Es ist eine der umstrittensten Frage innerhalb der Hirnforschung und zugleich die wissenschaftliche Basis für weltweite Bestseller: Kann man das Gehirn des Menschen wie bei Geschlechtern üblich in männlich und weiblich aufteilen? Die eine oder andere Studie hat das früher gezeigt. Eine neue, umfangreiche Untersuchung nicht. Betrachtet man allein den Aufbau des Hirngewebes, kann man wohl nicht von einem typisch „weiblichen Gehirn“ oder „männlichen Gehirn“ sprechen.

          Relativ große (grün) und kleine (gelb) Hirnregionen von 42 Erwachsenen, die die Überlappung der Hirnmerkmale bei den Geschlechtern zeigen.
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das ist jedenfalls das Fazit einer der bisher umfangreichsten neuroanatomischen Studien, die Daphna Joel von der Universität Tel Aviv zusammen mit anderen Forschern – unter anderem vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig – vorgenommen hat. Grundlage waren vier Datensätze mit Magnetresonanzaufnahmen von mehr als 1400 Erwachsenen. Zum ersten Mal, so schreiben die Forscher in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften wurden nicht einzelne spezielle Regionen des Gehirns, sondern das Volumen sämtlicher Hirnstrukturen der grauen und weißen Masse sowie der Verbindungslelemente zwischen den Hirnhemisphären vermessen.

          Ergebnis war, dass man zwar häufig durchaus Merkmale findet, die häufiger bei Männern oder bei Frauen zu finden sind. Aber in den allerseltensten Fällen sind diese geschlechtertypischen Merkmale homogen in einem Gehirn zu findet. Lediglich zwischen 0 und 8 Prozent der Probanden haben überwiegend entweder männliche oder weibliche Hirnkennzeichen. Fas immer dagegen läßt sich in ein und dem selben Gehirn eine Mischung aus unterschiedlichen männlichen und weiblichen Elementen nachweisen. Unsere Gehirne seien geschlechtlich ausgesprochen heterogen – „Geschlechtermosaike“, heißt es in dem Paper.

          Menschliches Gehirn

          Klar ist aber auch: Volumenvergleiche und feingewebliche Unterschiede allein lassen keine generelle Aussage über Geschlechterunterschiede zu. Theoretisch zumindest können oberflächlich gleich aussehende Gehirne durchaus unterschiedlich funktionieren. Vor zwei Jahren etwa hat eine Studie aus Princeton, für die man die Zahl der Nervenverbindungen („Connectome“ - und damit die systemrelevanten „Drähte“ - zwischen verschiedenen Hirnarealen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen vermessen hatte, ein anderes Resultat gebracht: Frauen entwickeln demnach ausgeprägtere Verbindungen zwischen den beiden Hirnhälften, Männer schwerpunktmäßig innerhalb einer Hirnhemisphäre. 

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