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Kampagnenschlacht : Nicht weniger, mehr Tierversuche

Makaken. Bild: AP

Brauchen wir Experimente an Tieren? Die Gegner meinen: Nein - und brechen nach dem Streit um die Bremer Affensuche eine ethische Schlammschlacht vom Zaun. Die Forschung duckt sich, denn sie weiß: Künftig braucht es wohl noch mehr Tierversuche.

          Die Auseinandersetzung um den Bremer Hirnforscher Andreas Kreiter, der seit Jahren wegen seiner Forschung an Makaken-Affen von Tierversuchsgegnern attackiert wird, entwickelt sich zu einer Kampagnenschlacht. Die Tierversuchsgegener wollen aufs Ganze gehen, die Gesellschaft aufrütteln. Jetzt geht es um mehr als um einen Forscher. Es geht um Menschenwürde und ethische Grundsätze, auch um das Ansehen und die Zukunft der Medizinforschung. 

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Eigentlich sind Kreiters neurophysiologische Studien an den Affen nach einem Richterspruch des Oberverwaltungsgerichts vor ein paar Wochen grundsätzlich für zulässig erklärt worden. Doch die juristische Niederlage wollten die Tierversuchsgegner nicht hinnehmen. Sie sehen die gültige Moral auf ihrer Seite. Ausgangspunkt für die neueste Eskalation war eine große Anzeigenkampagne des Vereins „Tierversuchsgegner Bundesrepublik Deutschland“ in Zeitungen wie der FAZ, der “Zeit“ und dem Bremer „Weserkurier“. Die ganzseitige Anzeige war mit der Überschrift versehen: „Kreiter macht eiskalt weiter“.

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          Was wie eine verbale Vergeltung nach dem Bremer Urteil anfing, wurde weiter unten im Text zu einer Grundsatzattacke.  Tierexperimentatoren, hießt es in der Anzeige, „sollte man nicht leichtfertig Menschen nennen“. Kreiters Vorgesetzter, der Rektor der Bremer Universität Bernd Scholz-Reiter, reagierte mit einem offenen Brief im Internet, in dem er die Annonce scharf verurteilt: „Es wird in dieser Anzeige vor allem auch ein Angehöriger meiner Universität in seiner Menschenwürde angegriffen. Es wird suggeriert, als Durchführender von Tierversuchen sei Professor Kreiter das Menschsein abzusprechen. Mit dieser Ausgrenzung und Entmenschlichung einer Person ist die Grenze zulässiger öffentlicher Meinungsbildung und -äußerung überschritten.“
          Offensichtlich kann es keinen Frieden geben zwischen radikalen Tierversuchsgegnern und Forschern. Die Tierversuchsgegner haben bereits weitere Aktionen angekündigt, Wissenschaftler, Politiker und Unterstützer von Tierversuchen öffentlich anzuprangern.

          Die Angegriffenen halten sich bisher zurück mit schnellen Äußerungen. Sie verweisen auf ihre bisherigen Initiativen der deutschen Forschungsorganisationen, die immer wieder aufflammenden Konflikte zu entschärfen. Dazu gehört die Strategie der „3-R“ - Reduce, Refine, Replace“ – mit der seit einigen Jahren Projekte forciert werden, die darauf abzielen, auf Experimente an Tieren ohne einen sehr guten, sprich ethisch vertretbaren Grund zu verzichten.

          Die Strategie kommt allerdings an ihre Grenzen. Der Vorsitzende der Senatskommission für tierexperimentelle Forschung in der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Gerhard Heldmeier, hat jüngst  auf einem DFG-Symposium in Berlin klar gemacht: „Wir müssen damit rechnen, dass Umfang und Qualität der tierexperimentellen Forschung zunehmen werden.“
          Insgesamt ist die Zahl der Tierversuche in der Europäischen Union zurückgegangen, die offiziell verfügbaren Statistiken sprechen für das Jahr 2011 von etwa einer halben Millionen weniger verglichen mit 2008. Aber speziell in der medizinischen Grundlagenforschung werden immer neue Verfahren – meistens an Mäusen und Ratten  - entwickelt, die vor der Anwendung in klinischen Studien am Menschen an unterschiedlichen Tiermodellen getestet werden müssen.  Dazu zählen insbesondere Methoden der Gen- und Zellforschung.

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