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Klimawandel-Glosse : Jeder Jeck schwitzt anders

US-Präsident Donald Trump wird bei der Präsentation der Motivwagen des Mainzer Carneval-Vereins auf dem Rosenmontagszug als Ochse mit Hörnern und einem Ring durch die Nase gezeigt, der im sprichwörtlichen Sinne „auf die Welt furzt“. Bild: dpa

Der Klimawandel macht kirre: Je schneller der Planet aufheizt, desto närrischer die Reaktionen. Das Weiße Haus sucht sich Lügenbolde in Expertenuniform, und das ist längst nicht die Spitze der wilden Maskerade. Eine Glosse.

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          Die Narrenfeste waren früher, wir sprechen hier von einer Zeit deutlich vor der Aufklärung, echte Knüller. In den Kirchen ging es hoch her, wenn auch nicht immer so gottgefällig, wie sich die höhere Geistlichkeit das seinerzeit wünschte. Es gab Pseudopäpste und Eselsmessen, was mittlerweile so mittelalterlich gar nicht mehr klingt.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Der Nationale Sicherheitsrat im Weißen Haus plant, wie aus dem inneren Zirkel des Rates verlautete, demnächst die Klima-Spontis auf der Gehaltsliste der Regierung ins Oval Office einzuladen und die nationalen Klimaberichte, die von den Bundesbehörden gesetzeshalber zu erstellen sind, rigoros zu bereinigen. Der Sinn des närrischen Treibens ist nicht schwer zu erraten. Die Adhoc-Gruppe mit regierungsfreundlichen Wissenschaftlern soll unter der geistigen Führung des Präsidenten sicherstellen, dass der Klimawandel nicht so gefährlich aussieht, wie die vermeintliche Konsenswissenschaft (siehe untenstehenden Beitrag) das etwa im jüngsten offiziellen Klimabericht dargestellt hat. Und natürlich wird es wichtig, die patriotischen Klimasünder zu entlasten.

          Propagandistische Zeiten hat auch der Karneval schon erlebt, darüber verliert man besser kein Wort. Wenn es allerdings um eine halbwegs seriöse Wahrnehmung des Klimawandels geht, drohen der Gesellschaft langfristig ohnehin noch ganz andere Bewusstseinstrübungen, die sich mit dem klimawissenschaftlichen Mummenschanz dieser Tage womöglich bestens ergänzen. Aktuell sind die Panik und Wut unübersehbar, die vor allem das junge Volk packt. Doch was, wenn die Menschen sich an das Chaos gewöhnen? Im Grunde nämlich ist der Mensch ja taub für die Erderwärmung, sie löst weder Schmerz aus noch besitzen wir ein inneres Gespür oder ein Maß – außer dem bloßen Verstand, der beim Nachdenken freilich jedes Mal auf ein leider allzu flüchtiges Gedächtnis zurückgreifen muss. Kalifornische Forscher haben nach der Durchsicht von mehr als zwei Milliarden Wettertweets genau diese beunruhigende Erkenntnis nun frisch zutage gefördert: Der innere Kompass für die Konsequenzen des gefährlichen Klimawandels erlahmt erschreckend schnell.

          Es gibt zwar immer noch die alljährlichen Klimagipfel. Allerdings gelten die sowieso längst als fünfte Jahreszeit der Weltpolitik, als Karneval der Klimaschützer. Was nun das Extremwetter angeht, gehen die Erinnerungen an die schrecklichen Folgen verflixt schnell verloren. Nach zwei bis spätestens acht Jahren ist ein krasser Dürresommer wie 2018 nichts Besonderes mehr. Wir stumpfen buchstäblich ab. Auf das Bauchgefühl können wir uns also beim Wetter in Zeiten des beschleunigten Klimawandels nicht verlassen. Auf was dann, fragen wir uns: den Verstand bei allen Verantwortlichen? Heute schon gelacht?

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