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Insomnie : Auf der Suche nach der geruhsamen Nacht

  • -Aktualisiert am

Guter Schlaf beugt Depressionen vor Bild: ddp

Menschen, die an Insomnie leiden, quälen sich in der Nacht und setzen sich wegen ihrer Schlaflosigkeit selbst unter Druck. Hinter der Krankheit steckt oft eine Depression, die aber nicht immer erkannt wird.

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          Eine geruhsame Nacht wünschen sie sich vergeblich - jeden Abend aufs neue. Während alles um sie herum schläft, liegen sie wach im Bett, ärgern sich, daß sie nicht einschlafen können, und fürchten die Müdigkeit am nächsten Morgen. Menschen, die unter Schlaflosigkeit leiden, empfinden die Beeinträchtigungen am Tage als das Schlimmste und setzen sich deshalb immer mehr unter Druck, schlafen zu müssen. „Primäre Insomnie“ lautet die Diagnose für den, der mindestens einen Monat lang mehrmals wöchentlich Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen zu beklagen hat, seinen Schlaf als nicht erholsam beurteilt und sich dadurch im Alltag stark beeinträchtigt fühlt.

          Von einer „sekundären Insomnie“ spricht man, wenn die Schlaflosigkeit Symptom einer organischen oder psychiatrischen Erkrankung ist, wie das etwa bei der Schilddrüsenüberfunktion oder einer Depression der Fall ist. Dann gilt es, die Grunderkrankung zu behandeln und so die Schlafbeschwerden zu beseitigen. Rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden an einer chronischen - primären oder sekundären - Insomnie, quälen sich also mindestens sechs Monate mit ihrer Schlaflosigkeit oder einem nicht erholsamen Schlaf.

          Insomnie als Risikofaktor für Depression

          Daß hinter der Schlaflosigkeit oft eine Depression steckt, ist lange bekannt, nicht aber, daß auch die Umkehrung möglich ist. „Menschen, die an einer primären Insomnie leiden, haben ein zwei- bis vierfach erhöhtes Risiko, in der Folge eine Depression zu entwickeln“, berichtete Dieter Riemann von der schlafmedizinischen Abteilung der Universität Freiburg auf dem Jahreskongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde vergangene Woche in Berlin. Riemann führte 14 Studien an, die Insomnie als Risikofaktor für das Auftreten einer Depression identifizierten. Zudem kann chronische Schlaflosigkeit im Alltag Leib und Leben gefährden.

          Göran Hajak von der Psychiatrischen Universitätsklinik Regensburg präsentierte Forschungsergebnisse, denen zufolge das Risiko für einen Unfall mit schwerer Verletzung bei chronischen Insomniepatienten fünfmal so hoch ist wie in der Normalbevölkerung. Um Folgeerkrankungen sowie Unfälle zu vermeiden und das Leiden der Schlaflosen zu beenden, rät Riemann zu einem gestuften Behandlungskonzept. Zunächst gelte es, die Regeln der „Schlafhygiene“ einzuhalten. Dazu gehört, nachts nicht auf die Uhr zu schauen, außerdem eine regelmäßige körperliche Aktivität, Verzicht auf koffeinhaltige Getränke nach dem Mittagessen und besonders auf Alkohol vor der Schlafenszeit. „Denn sobald seine Wirkung nachläßt, entwickelt das vegetative System eine Gegenregulation mit dem Ergebnis, daß man mitten in der Nacht hellwach ist“, erklärte Hajak die Wirkung des Rauschmittels.

          „Rebound-Effekt“ begünstigt Abhängigkeitsverhältnis

          Sind Faustregeln wie diese erfolglos, gibt es für die primäre Insomnie im wesentlichen zwei Therapiemöglichkeiten - Medikamente und Psychotherapie. Über die Reihenfolge in der Anwendung sind sich die Experten uneins, wie auf dem Kongreß deutlich wurde. Die einen beginnen mit einer pharmakologischen Behandlung, um der Chronifizierung der Schlafbeschwerden vorzubeugen, die anderen setzen diese nur als Ultima ratio ein und bevorzugen einen psychotherapeutischen Einstieg.

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