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Wissenschaftliche Zweifel : Die verzwickte Impfpflicht

  • -Aktualisiert am

Ein kleiner Piks kann Leben retten – Kinder gegen Masern impfen zu lassen ist ab heute Pflicht. Bild: obs

Die Bundesregierung hat die Impfpflicht für Masern beschlossen. Welche Wirkung wird sie haben? Die Erfahrung in anderen Ländern, zeigt vor allem eines: Aufklärung tut not.

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          An diesem Mittwoch hat das Bundeskabinett ein Masernschutzgesetz beschlossen. Wer sein Kind nicht impfen lässt, muss mit Ausschluss vom Kindergarten oder Bußgeldern bis zu 2500 Euro rechnen. Mit der Entscheidung von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist die Diskussion über den Sinn einer Pflichtimpfung entflammt. „Ich halte nichts davon“, sagt Alexander Kekulé, Chef-Virologe am Universitätsklinikum in Halle, „ich wundere mich, dass kaum jemand hinterfragt, ob mit einem Impfzwang auch weniger Kinder erkranken. Ich bezweifle das.“

          Ob eine Impfpflicht wirklich dazu führt, dass mehr Kinder geimpft werden und weniger erkranken, ist bisher erstaunlich wenig untersucht worden. Einen Hinweis gibt das von der Europäischen Union finanzierte Studienprojekt „Asset“. Die Forscher entnahmen der Unicef-Statistik, wie viele Kinder von 2007 bis 2013 die erste Masernimpfung bekommen hatten, und fanden keinen Zusammenhang damit, ob in dem jeweiligen Land eine Impfpflicht bestand. Auch die aktuellen Daten der WHO bestätigen das. So ist zum Beispiel in Skandinavien die Impfung nicht obligatorisch, trotzdem haben in Schweden 95 Prozent der Menschen die empfohlenen zwei Impfungen. In Dänemark und Norwegen sind dagegen nur 88 beziehungsweise 91 Prozent zweimal geimpft. Anders herum ist die Impfung zwar in Tschechien und Bulgarien Pflicht, aber die Länder erreichen mit 90 beziehungsweise 92 Prozent geringere Impfquoten als Schweden oder Portugal mit je 95 Prozent und keiner Impfpflicht.

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