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Weniger Abholzungen : Stoßseufzer vom Regenwald

Gerodet wird immer noch: Bei Altamira im Amazonas wurde Regenwald für den Staudamm abgeholzt. Bild: Getty Images

Überraschendes Lob: Nach dem „Kettensägenmassaker“ der neunziger Jahre haben offenbar viele Staaten den Raubbau am Regenwald erfolgreich gebremst. In einer Studie werden 17 vorbildliche Waldländer gewürdigt, darunter sind auch einige Überraschungen.

          Auf dem Erdgipfel von Rio vor gut zwanzig Jahren war es noch das große Thema: Warum, klagten damals viele Umweltschützer, konnte sich die Staatengemeinschaft zwar zu einer Konvention gegen Verwüstung entschließen, aber ausgerechnet die bedrohten Wälder außen vor lassen? Wertvolles Tropenholz wurde zum Synonym für den Raubbau an der Natur. Urwaldbäume wurden für Weideflächen, Siedlungsland und Plantagen geopfert. Der deutsche Umweltminister plädierte  seinerzeit für eine globale Waldschutzkonvention. Doch die Vereinten Nationen, so hieß es hinter den Kulissen, ließen sich von den kommerziellen Interessen einer mächtigen Holzlobby und der Agrarpolitik einiger Exportländer wie Brasilien und Indonesien leiten.

          Vor lauter Bäumen darf der Wissenschaftler den Wald nicht vergessen: Atlantischer Regenwald auf der Ilha do Cardoso im Bundesstaat Sao Paulo
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Fast ein Fünftel der weltweiten klimaschädlichen Kohlendioxidemissionen ging in den neunziger Jahren auf das Konto der Waldrodungen. Der im Holz gebundene Kohlenstoff wurde in die Luft geblasen und wertvolle Kohlenstoffspeicher zerstört. Die Folge: Klimaschutz, und nicht nur die Sorge um den  Lebensraum Regenwald mit seinem Artenreichtum , brachten das Thema international aufs Verhandlungsparkett.  Das könnte tatsächlich die Wende um die Jahrhundertwende gebracht haben. In einem neuen Bericht, den die „Union of Concerned Scientists“ in den Vereinigten Staaten jetzt veröffentlicht hat, wird von einer Trendumkehr und mehr als einem Dutzend „Erfolgsgeschichten“ gesprochen. Siebzehn waldreiche Tropenstaaten werden aufgelistet, mit Brasilien an der Spitze, die dank internationaler Abkommen und politischer Initiativen im Land, ihre Abholzungsraten teils massiv herunterfahren konnten.

          Waren es in den neunziger Jahren noch 16 Millionen Hektar Wald gewesen, die  global gesehen jedes Jahr  gerodet wurden, sind es für das Jahrzehnt nach 2000 nur noch etwa 13 Millionen Hektar _ 19 Prozent weniger insgesamt. Gegenwärtig verringert  sich damit der Anteil der Waldabholzung an den Treibhausgasemissionen von ursprünglich mehr als zwanzig auf jetzt nur noch rund zehn Prozent.

          Der Schutz des Regenwaldes wäre weit wirksamer als die Förderung von Solarenergie

           Im brasilianischen Amazonas, dem größten zusammenhängenden Regenwaldgebiet, so heißt es in der Studie, stehen noch rund 80 Prozent der ursprünglichen Regenwaldflächen, „weil die Regierung massiv eingegriffen“ habe. Einige Milliarden Dollar, die die norwegische Regierung für die Klimaschutzinitiative REDD+ zugesagt hatte, haben die Schutzbemühungen des brasilianischen Staates befördert. Ab dem Jahr 2002 wurden große Flächen unter Schutz gestellt, große Konzerne stimmten später  zu, kein Soja mehr und kein Rindfleisch mehr abzunehmen, das auf gerodeten Waldflächen  erzeugt worden war.

          Auch in Mexiko, Guayana und im afrikanischen Kongogebiet haben die Wissenschaftler Rückgänge bei den Abholzungsraten ausgemacht, die teil auf umweltschonende Forstmanagementpläne zurückzuführen sind oder auf eine ökologisch ausgerichtete „Agrowaldwirtschaft“ - Initiativen, die die Flächen durch gezielten Anbau von solchen Nutzpflanzen bebauen, auf denen auch der Urwald erhalten bleibt. Auf diese Weise sollen es die Länder auch geschafft haben, das Wirtschaftswachstum trotz der Einschränkungen bei den Rodungslizenzen nicht zu senken.

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