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Künstliche Intelligenz - Hype? : Die Schnittstelle im Kopf

  • -Aktualisiert am

Hallo Freunde: KI erobert das Internet, das Kinderzimmer - schließlich auch die Welt? Bild: obs

Werden intelligente Maschinen bald schon die klügeren Einsteins sein? Selten zuvor wurden die Grenzen der Wissenschaft so radikal banalisiert und so lustvoll phantasiert wie zurzeit im KI-Boom.

          Der Unterschied zwischen Mensch und Computer wird in Kürze aufgehoben sein.“ frohlockte Timotheus Höttges in einem Interview mit der „Zeit“. Der technikbegeisterte Chef der Deutschen Telekom freut sich auf dienstbare Haushaltsroboter, die ihm in Zukunft helfen werden, seine Brille zu finden. Auch Miriam Meckel, Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“, verblüffte ihre Zuhörer auf einem Festvortrag über den berechenbaren Menschen in Tübingen: In nur fünf bis zehn Jahren brauchen wir weder Maus noch Computertastatur.

          Stattdessen haben wir eine Schnittstelle im Kopf, die unsere Gedanken direkt aus dem Gehirn ausliest und in die Maschine einspeist. Aber es geht noch phantastischer: Die „Brain Preservation Foundation“ ist eine in den Vereinigten Staaten beheimatete Bewegung. Deren Adepten wollen das biologische Leben auf digitalem Weg beliebig verlängern!

          Die Persönlichkeit wird unsterblich

          Das stellen sie sich so vor: Wenn das letzte Stündlein schlägt, begibt man sich schnell ins Krankenhaus. Dort erhält man eine Vollnarkose. Das ist das Ende der biologischen Existenz. Jetzt wird der Brustkasten von Chirurgen aufgesägt. Man öffnet eine große Arterie. Mit einer Pumpe flutet man den Kreislauf zuerst mit einem Konservierungsmittel, schließlich mit einem Fixiermittel. Gehirn und Rückenmark werden auf diese Weise plastifiziert und dann entnommen.

          Roboter heute – morgen Chefs.

          Mit Hilfe eines Mikrotoms wird das Nervengewebe in feinste Scheiben geschnitten. Diese kommen unter ein hochauflösendes Mikroskop und werden in einen Computer eingelesen, der mit speziellen Algorithmen alle Neuronen mit sämtlichen synaptischen Verbindungen digital rekonstruiert. Dieser digitale Hirnscan wird schließlich einem Roboter implantiert, der dann angeblich das Bewusstsein seines biologischen Vorgängers annimmt.

          Weil man digitale Daten verlustfrei übertragen kann, wird es möglich, das „Leben“ des Hirnscans, der mit der Persönlichkeit des verstorbenen Menschen gleichgesetzt wird, beliebig zu verlängern. In nur hundert Jahren sollen solche Gehirn-Uploads so alltäglich sein wie ein Reifenwechsel beim Auto. Aber nicht alle freuen sich über derart weltbewegende Umbrüche. Der Astrophysiker Stephen Hawking fürchtet den Untergang der menschlichen Spezies und warnt vor der Machtübernahme intelligenter Maschinen.

          Gediegenes Halbwissen treibt Spekulanten

          Es scheint also ausgemacht, dass uns der digitale Wandel wie ein Wirbelsturm packen wird. Uneinigkeit besteht offensichtlich nur darin, ob man das gut findet oder eher schlecht. Aber stimmt das? Oder fühlt man sich an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern erinnert? Guckt man nämlich hinter die Kulissen, dann wird offenbar, dass sich der gigantische Wirbel nicht nur harten wissenschaftlichen Fakten verdankt. Er nährt sich auch von windigen Spekulationen und gediegenem Halbwissen.

          Das betrifft vor allen Dingen die Rolle des menschlichen Körpers für das Denken und Aspekte der mathematischen Modellbildung.

          Die Mathematik – bewundert, aber nicht immer verstanden – hat in unserer Gesellschaft die Funktion eines Mythos übernommen. In der Tradition von Pythagoras, Platon und Galilei existiert die unausgesprochene Annahme, dass sich die Natur in ihrer ganzen Fülle mathematisch fassen lässt. Und es ist genau diese Annahme, die die „Philosophien“ von Timotheus Höttges, Miriam Meckel, Stephen Hawking und den Optimisten, die vom digitalen Garten Eden träumen, wie mit einem unsichtbaren Band verbindet. Wenn man sie jedoch hinterfragt, und dafür gibt es gute Gründe, dann bekommt man eine realistischere Einschätzung, was Computer in Zukunft werden leisten können und was nicht.

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