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Hochwasserschutz : Ein Wettlauf gegen die drohenden Fluten

Historisch: Die Karte gibt die täglichen Regenmengen an, wie sie die Potsdamer Modelle nach der Berücksichtung von Unmengen hydrologischer und klimatischer Daten als Mittel zwischen den Jahren 1971 und 2004 ausgerechnet haben.

Selbst diese vorsichtigen Schätzungen aber lassen eines aber klar erkennen. Die Flutrisiken steigen offenbar gewaltig – bei einer eigentlich noch recht moderaten Erderwärmung. Millionen Menschen werden betroffen sein. Bereits die sieben Jahre zwischen 2008 und 2015 sind in die Geschichte als diejenigen eingegangen, in denen übertretende Flüsse der wichtigste Grund für lokale – und mitunter dauerhafte – Evakuierungen gewesen ist. Allerdings ist die Zahl der Todesfälle durch Hochwasser seit fast drei Jahrzehnten einigermaßen stabil – was für die bereits laufende Modernisierung der Hochwasserschutzmaßnahmen in vielen Ländern spricht.

Die prognostizierten Zahlen sind also alles in allem zwar mit Vorsicht zu genießen. Dennoch machen sie deutlich, dass die meteorologischen Veränderungen und die sich daraus ergebenden Unwetter ein konsequentes Handeln und rasche Planungen erforderlich machen. Die Zahl der Menschen etwa, die von den stärksten zehn Prozent der Hochwasserereignisse betroffen sein werden, wird sich in Nordamerika um das Zehnfache erhöhen – in den Potsdamer Modellen von Hunderttausend auf knapp eine Million Flussanwohner. Die entsprechende Steigerung in Deutschland: von Hunderttausend auf Siebenhunderttausend, eine Vervielfachung auch hier also (unter der Maßgabe, wie erwähnt, dass die Bevölkerungszahl in etwa stabil bleibt).

Viel dramatischer freilich soll sich die Hochwassersituation in Südamerika entwickeln, wo schon heute knapp sechs Millionen Menschen von Extremfluten bedroht sind, und mindestens eine Verdoppelung der Zahl von Hochwasserbetroffenen erwartet wird. Noch gewaltiger die Zahlen anderswo: In Afrika haben die Forscher eine Steigerung von 25 auf 34 Millionen gefährdeten Flussanwohner kalkuliert (Schwerpunkt Niger, Sambesi und Nil sein), im fernen Asien – historisch das ohnehin von Extremfluten am stärksten betroffene Erdregion – gar von 70 auf 156 Millionen. Allein in China sollen dann mindestens 55 Millionen Menschen stark gefährdet sein, in Indien gehören 26 von 36 Bundesstaaten zu den am stärksten gefährdeten Gebieten, ebenso große Teile Vietnams.

Keine Straße mehr zu sehen: Hochwasser in Rühden, einem Stadtteil von Seesen in Niedersachsen

Gute Infrastruktur wie in hochentwickelten Ländern, schützt vor den Folgen der Regenintensivierung nicht, „davon waren wir überrascht“, schreibt einer der PIK-Autoren, der für die Anpassungsforschung am PIK zuständige Anders Levermann. Das lässt sich besonders gut in Nordamerika erkennen: 42 von 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten werden mit einem deutlich erhöhten Hochwasserrisiko rechnen und deshalb auch das Schutzniveau an den Ufern erhöhen müssen. In Europa ist es geographisch ein Band, das sich von der Ostsee mit dem angrenzenden Schweden bis nach Polen und Deutschland (speziell Norddeutschland muss mit intensiveren Regenfällen rechnen) zieht. Mehr als die Hälfte der Vereinigten Staaten müssen nach Auffassung der Potsdamer Forscher ihr Schutzniveau innerhalb der nächsten beiden Dekaden mindestens verdoppelt. Was die Megastädte angeht, so stehen auf der Liste der besonders gefährdeten Metropolen: Schanghai, Hongkong, Jakarta, Mexiko City, Sao Paulo, Buenos Aires und Kairo.

„Die Ergebnisse sollten eine Warnung für die Entscheidungsträger sein“, so Levermann. „Wenn wir die vom Menschen verursachte Erwärmung nicht auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzen, dann werden bis zum Ende unseres Jahrhunderts die Hochwasserrisiken vielerorts in einem solchen Maße ansteigen, dass Anpassung schwierig wird.“

Nach dem Hurrikan Harvey: Zwei Männer in Houston, Texas.

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