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Weltklimagipfel : Staaten und Firmen erstmals einig bei Rettung der Regenwälder

Sägewerk im Regenwald. Bild: dpa

Zum ersten Mal haben Staaten und Firmen einen gemeinsamen Zeitplan für die Eindämmung der Regenwaldzerstörung vorgelegt. Die „New York Declaration“ hilft vielleicht den Wäldern, aber bringt sie auch den erhofften Klimavertrag voran?

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          „Staatschefs sollten nicht reden, sondern handeln“. Kaum hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Morgen im UN-Hauptquartier seinen  Aufruf an die Teilnehmer des Klimagipfels beendet, ging es schon zur Sache. Weniger jedoch wurde sich  in den ersten Stunden mit konkreten Angeboten für einen neuen völkerrechtlichen Klimavertrag ins Zeug gelegt, wie Ban Ki-moon vor jeder der vierminütigen Rede hoffte, als vielmehr für Fortschritte auf einem klimapolitischen Nebenschauplatz: Der Schutz der Regenwälder stand ganz oben auf der Agenda. Und Deutschland mit Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) fühlte sich sichtlich wohl in der Rolle der Regenwaldschützerin, als sie sich in den Hinterzimmern des UN-Gebäudes mit Norwegens Premierministerin Erna Solberg und dem peruanischen Präsidenten Ollanta Humala traf, um bilaterale Abkommen und eine „New York Erklärung für die Wälder“ zu unterschreiben.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Es geschieht in New York überhaupt zum ersten Mal, dass auf einem Klimagipfel eine kritische Masse an Regierungschefs und Minister aus Industrie- und Entwicklungsländern zusammenkommt, um einen konkreten Zeitplan für den Schutz der Wälder als zentrales Element des Klimaschutzes voranzutreiben. Allerdings ist das neue Waldabkommen alles andere als rechtsverbindlich. „Innovativ“ soll es wenigstens sein. Tatsächlich handelt es sich bei der „New York Declaration“ um eine Public-Private-Partnership - um ein Kooperationsübereinkommen zwischen Staaten, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen, die sich für einen verstärkten Schutz der Wälder und eine nachhaltige Bewirtschaftung einsetzen. Ziele, die sich die Staaten etwas kosten lassen, weil der Raubbau der Wälder zu etwa einem Fünftel an den Kohlendioxidemissionen verantwortlich ist und Kontrollen teuer sind, und für die Firmen, die sich für den höheren Aufwand einer umwetlgerechten Waldnutzung gerne entschädigen lassen. Die Nichtregierungsorganisationen mit dem World Resources Institute an der Spitze sehen das alles aber inzwischen gelassener und weniger dogmatisch als früher. Sie sind zufrieden, mächtige Palmölkonzerne wie Unilever, die von Umweltschützern früher massiv bekämpft wurden, auf die richtige Seite gezogen zu haben und damit indirekt auch den indigenen Völkern in den Regenwaldregionen zu helfen. 

          Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD)
          Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) : Bild: dpa

          „Wir sind stolz darauf helfen zu können,die Abholzung in Peru eindämmen zu können“, sagte Umweltministerin Hendricks, als sie eine trilaterale Übereinkunft mit Peru und Norwegen unterzeichnete. Zusammen mit Großbritannien und Peru will Deutschland in den kommenden Jahren zwanzig neue Programme zum Waldschutz und zum Aufbau kontrollierter, nachhaltiger Holzhandelsketten aufbauen. Norwegens Premierministerin hat mit Liberia eine Zusammenarbeit beschlossen, die 150 Millionen Dollar Hilfe enthält und dazu führen soll, dass Liberia als erstes afrikanisches Land die Regenwaldabholzung beendet  Justine Greening, die britische Entwicklungshilfeministerin, hat dafür schon am Vortrag als Gast der Ford-Foundation 183 Millionen Euro zugesagt. Hendricks verweist auf die 750 Millionen Euro, die Deutschland in den im Zuge der Klimaverhandlungen vereinbarten Klimafonds einbezahlen wird.

          Peru ist Gastgeber der nächsten Klima-Vertragsstaatenkonferenz in zwei Monaten und hat vor kurzem eine neues, verschärftes Gesetz zum Schutz der Wälder vorgelegt. Wie die Europäische Union und die Vereinigten Staaten hat auch Hendricks  zusätzlich die “New York Declaration“ unterzeichnet. Insgesamt 150 Unterschriften zählt das Dokument, darunter 31 Staaten, 18 Großregionen wie West-Kalimantan, Acre oder Chiapas sowie 41 internationale Unternehmen und 63 Umweltschutz- und Forschungsorganisationen sowie Menschenrechtsgruppen für indigene Völker.

          Perus Präsident Ollanta Moisés Humala.
          Perus Präsident Ollanta Moisés Humala. : Bild: AP

          In der Erklärung verpflichten sich die beteiligten Waldstaaten mit Unterstützung von Geberländern, den Verlust der Regenwaldflächen bis 2020 auf die Hälfte zu senken und bis 2030 zu beenden. Das würde im Endeffekt bedeuten, dass auf lange Sicht gut 350 Millionen Hektar Wälder wieder hergestellt würden und jedes Jahr zwischen 4,5 und 8,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid weniger freigesetzt würden. Ein ansehnliches grünes Großprojekt, das in den Kassen des Klimafonds mit etwa einer Milliarde Dollar zu Buche schlägt. Gemessen allerdings an den gepanten Einnahmen des Klimafonds in Höhe von 100 Milliarden Dollar jährlich ab 2020, die in erster Linie für Projekte in den armen Ländern zur Anpassung  an den Klimawandel gedacht sind, sind die Kosten für den Waldschutz bescheiden.

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