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Hirnstimulation : Wellenreiten im Großhirn

Impulse fürs lange Erinnern. Eines der Bostoner Experimente: Unter der Kopfhaube wurde über die hier farblich kodierten Elektroden der seitliche Stirnlappen (dorsolateraler präfrontaler Kortex, unten) stimuliert. Wirksam waren Gammawellen. Bild: Stephen Swierczyna; Grover, S., R. Reinhart et al. Nat Neurosci (2022)

Auf dem Weg zur Gedächtnisoptimierung: Wie mit Strom aus einer Kopfhaube dem Erinnerungsvermögen auf die Sprünge geholfen werden soll – und der Seele nebenbei auch.

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          Zwanzig Minuten lang eine Badehaube tragen, nicht ganz so eng und eher feucht statt trocken am Schopf, so etwa muss man sich das vorstellen, wenn Robert Reinhart dem Gedächtnis der Menschen auf die Sprünge helfen will. Zwischen Haube und Hirn fließt Strom, den allerdings kaum einer wirklich spürt. Die Wirkung bleibt dennoch nicht aus. Die Kopfhauben des Neurotechnologen Reinhart sorgen in der Hirnforschung gerade erheblich für Aufsehen. Mit ihnen wollen er und sein Team an der Boston University die Gedächtnisleistung von weit mehr als hundert rüstigen Senioren, alle zwischen 65 und 88 Jahre alt, deutlich verbessert haben – unkompliziert, schonend und erstaunlich effizient soll deren Gehirn trainiert worden sein.

          Kognitive Leistungen aufpeppen ohne Pharmaka

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Das Verfahren nennt sich „hochauflösende nichtinvasive Hirnstimulation“, und das Experiment im Bostoner Labor war eines von ein paar Hundert ähnlichen Studien, die derzeit zum Aufpeppen der kognitiven Leistungen junger und alter Menschen laufen. Die Methode ist also keineswegs neu. Erst recht nicht die Grundidee: Gezielter eingreifen ins schwächelnde oder kranke Gehirn, ohne auf die meistens viel zu unspezifisch wirkenden Pharmaka zurückzugreifen, ist seit Langem das erklärte Ziel der Neurologie. Die Krux ist, dass unser Gehirn nicht nur hinsichtlich seiner Komplexität unüberbietbar ist, sondern dass die unfassbar vielen und hoch vernetzten elektrochemischen Funktionseinheiten in dieser anderthalb Kilo schweren Zellmasse für die Mediziner auch nur schwer präzise oder gar risikofrei anzusteuern sind.

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