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Herzkrank trotz Sport : Stress schlägt Fitness

Läufer im Abendlicht. Bild: dpa

Schwierige Lebensumstände schon als Jugendlicher zu meistern, ist ein gesundheitliches Kapital. Es schützt vor Herzproblemen - möglicherweise sogar mehr als Fitnessprogramme.

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          Wer früh im Leben lernt, mit Stress richtig umzugehen, geht nicht nur leichter durchs Leben. Er kann damit offenbar auch ganz entscheidend dazu beitragen, später nicht frühzeitig schon einen Herzinfarkt zu erleiden. Und mehr noch: Selbst wer sich abstrampelt und seine Fitness stärkt, um sein Herz zu stärken, hat schlechte Karten, wenn er zu den Menschen gehört, denen schwere Krisen in der Jugend oder anhaltend schwierige Lebenssituationen das Leben zur Hölle gemacht haben.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Grundlage für diese im „British Medical Journal“ veröffentlichten Ergebnisse ist eine große epidemiologische Studie von schwedischen Ärzten an der Universität von Örebro. Die Mediziner haben Daten  von 237.980 Männern ausgewertet, die in den Jahren zwischen 1952 bis 1956 zur Wehrpflicht eingezogen und deshalb gemustert worden waren. Zur Musterung gehörte schon damals in Schweden eine ausführliche Erhebung des körperlichen und psychischen Zustands der jungen Männer. Die Daten wurden abgeglichen mit den medizinischen Befunden, die sich Jahrzehnte später, zwischen 1987 und 2010 im nationalen Patientenregister Schwedens finden ließen. Im Ergebnis wurden unter den mehr als zweihundertausend Männern 10.581 Herz-Kreislaufbefunde ermittelt.

          Selbst wenn man einige andere Risikofaktoren für Herz- und Kreislaufschäden herausrechnet, etwa Übergewicht, kristallisierte sich klar eine Zweiteilung heraus: Auf der einen Seite jene Männer, die in der Jugend offensichtlich wenig stressanfällig waren und weniger Herzprobleme hatten, und auf der anderen solche, die psychisch oder physisch schwer unter Stresssituationen im persönlichen Umfeld zu leiden hatten. Selbst wenn diese stressanfälligen jungen Männer seinerzeit sportlich waren und sich regelmäßig  fit hielten, waren sie später im Leben deutlich anfälliger für Herz-Kreislaufstörungen. Noch wichtiger also als Bewegung in der Jugend scheint demnach zu sein, das Selbstbewusstsein aufzubauen, das hilft, schwierige Lebenssituationen zu meistern. Dabei können, so schreiben die Ärzte, Freunde oder die Familie entscheidend beitragen.

          So interessant diese Befunde auch sind, so hat die Erhebung doch auch Schwächen. Damit wird die Aussagekräft zwar nicht aufgehoben, aber doch abgeschwächt. Die wichtigste Lücke betrifft einen Faktor, der bei der enormen Dichte an Gesundheits- und Verhaltensinformationen, die man schon in den fünfziger Jahren im Zuge der Musterung sammelte,ins Auge sticht: Irgendwelche Informationen darüber, ob die Männer rauchten, hatten die Mediziner keine. In einer anderen medizinischen Studie, die zitiert wird, findet man zumindest Hinweise, dass junge Männer mit einer geringen Widerstandskraft gegenüber Stress auch etwas häufiger rauchen. Demnach könnte dem Rauchen - oft ausgelöst durch psychische Überlastung - auch eine nicht unwesentliche Rolle bei der Häufung von Herz-Kreislaufproblemen  zukommen.

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