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Luftfahrt : Hanna Reitsch und das Flugsaurier

  • -Aktualisiert am

Der Focke-Wulf „Tragschrauber Fw 61“ schwebt auf dem Reichsparteitag in Nürnberg ein. Bild: Picture-Alliance

Heute wäre die Testpilotin Hanna Reitsch 108 Jahre alt geworden. Sie flog auch auch den ersten funktionstüchtigen Vorläufer der Hubschrauber. Könnte sie die heutigen High-Tech-Helis fliegen?

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          Flugbegeistert war Hanna Reitsch schon immer. 1912 in Schlesien als Tochter eines Augenarztes geboren, träumte sie schon als Teenager davon, einmal als fliegende Missionsärztin zu arbeiten. Zielstrebig erlernte sie das Segelfliegen und nahm als 20-Jährige ihr Medizinstudium auf. In ihr brannte der Wunsch nach Abenteuer. 1933 unternahm sie – inzwischen ausgebildete Fluglehrerin – eine Expedition nach Südamerika, flog über die Landschaften Brasiliens und Argentiniens. Doch immer öfter kollidierte ihre aeronautische Leidenschaft mit den Ansprüchen eines Hochschulstudiums. Das brach sie schließlich ab und ging voll in der Fliegerei auf.

          Doch muss Hanna Reitsch nicht schlecht gestaunt haben, als der Ingenieur Henrich Focke 1937 vor ihrem Hangar stand und sie fragte, ob sie seinen „Fw 61“ fliegen wollte. Unter die Nase hielt er ihr das Konstruktionspapier eines äußerst seltsamen Fluggeräts. Der „Tragschrauber Fw 61“, wie er anfangs bezeichnet wurde, sah aus, als habe er die Aerodynamik eines Ziegelsteins:

          Und dieser Blechhaufen sollte fliegen?

          Statt der gewohnten Flügel drehten sich zwei seitlich am Rumpf montierte Drei-Blatt-Rotoren gegenläufig. Ausgestattet war er mit einem 160 PS Motor, der Brandenburgischen Motorenwerken - kurz Bramo genannt. Ein Mini-Propeller vorne sorgte nicht etwa für den Antrieb, sondern für die Kühlung des Motors. Die Steuerung war so eine Sache: der Pilot bestimmte Flugwinkel und Flugrichtung lediglich durch die Neigung der Rotorblätter, die damit einen asymmetrischen Auftrieb erzeugen konnten.

          Und dieser Blechhaufen sollte fliegen? Doch Hanna Reitsch flog alles. Sie stand im Ruf im Cockpit über ein unschlagbares „Hosenbodengefühl“ zu verfügen und über eine geradezu halsbrecherische Unerschrockenheit. Staatliche Stellen des nationalsozialistischen Regimes wurden auf sie aufmerksam und 1937 berief man sie als Testpilotin an die Flugerprobungsstelle der Luftwaffe im mecklenburgischen Rechlin. Dort erprobte sie Stukas, Bomber und Jagdflugzeuge, wurde erste Flugkapitänin der Welt. Sie war ein Superstar und ganz und gar verblendet vom Hitler-Staat.

          Hanna Reitsch in einer Aufnahme von 1942

          Nach dessen Untergang verbrachte Hanna Reitsch anderthalb Jahre in Internierungslagern. Sie wurde ob ihrer – wenn auch anerkannt naiven – Regime-Nähe intensiv vernommen, letztlich aber 1947 als „Nichtbetroffene“ entnazifiziert, da sie der NSDAP nie angehört hatte. Das erlaubte es ihr, bis zu ihrem Tod an Herzversagen mit 67 Jahren, weiter als professionelle Pilotin zu arbeiten. Noch 1971, im Alter von 59 Jahren, gewann sie die Hubschrauber-Weltmeisterschaft in der Damenklasse.

          Doch da war ein Hubschrauber bereits etwas völlig anderes als Heinrich Fockes Flugapparat des Jahres 1937. Der „Fw 61“ war allerdings bereits zu diesem Zeitpunkt durchaus flugtauglich, wofür Focke, der luftfahrttechnische  Querdenker, jahrelange Vorarbeit geleistet hatte. Seit seinem unfreiwilligen Ausscheiden aus der von ihm 1933 gegründeten Focke-Wulf Flugzeugbau AG galt sein spezielles Interesse der Entwicklung von Drehflüglern. Im Juni 1936 hob der „Fw 61“ erstmals ganze 1,5 Meter vom Boden ab und hielt sich tapfere 28 Minuten in der Luft. Eine Sensation! Ein Jahr später erreichte er bereits eine Rekordhöhe von 2.439 Metern und eine Flugdauer von 80 Minuten.

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