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Grüne Gentechnik : Gut, besser, natürlich?

Diese Champignons sind gecrispert – sie werden deshalb nicht mehr braun. Bild: Getty

Wie will man neue Methoden der Züchtung kontrollieren, wenn sich Unterschiede in den Pflanzen gar nicht mehr identifizieren lassen?

          7 Min.

          Zum Frühstück verzehrt man gern etwas Grapefruit. Zur Not ein Glas Saft, denn die fruchtige Bitterkeit macht auf so schöne Weise wach. Besonders die sanften Sorten in Rosa: Star Ruby und Rio Red stammen beide aus den Vereinigten Staaten, und es gibt sie auch als Bio-Ware, da darf man also guten Gewissens zugreifen. Von Gentechnik scheinbar keine Spur, doch interessiert man sich für ihre Ursprünge, würde manch einer wohl eine Überraschung erleben. Schließlich sind diese beliebten Früchte nichts anderes als Mutanten.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die eine zeichnet sich durch eine im Vergleich zur Elternpflanze kräftigere Rotfärbung von Saft und Fruchtfleisch aus, die andere durch erheblich weniger Kerne: statt ehemals vierzig bis sechzig, sind es nun keine zehn. Das erhöht zweifellos den Genuss der Grapefruits, solange man nicht weiß, dass ihre Besonderheiten einst durch Neutronenstrahlen erzeugt wurden. Zig Knospen mussten damit traktiert werden, bis die neuen Sorten im Jahr 1970 beziehungsweise 1984 registriert werden konnten. Das muss aber nirgends vermerkt werden, weder auf der Obstkiste noch im Supermarkt.

          Neue Sorten dank Radioaktivität

          Auf Bestrahlungen beruhen Tausende von Kulturpflanzen, die wir heute weltweit nutzen: Dahlien ebenso wie Birnen, Gurken, Minze, Reis und Weizen und eine ganze Reihe mehr. In jüngster Zeit kamen neuartige Kirschen, Kartoffeln und Chrysanthemen hinzu, und in diesen Fällen sorgten Gamma-Strahlen für irgendwelche Abweichungen im Pflanzengenom, die sich zuvor nicht steuern ließen. Weil aber diese Form der Nuklear-Gärtnerei ebenso wie die Anwendung von mutagenen Chemikalien oder die mühsame Kreuzung zur konventionellen Züchtung gezählt wird, sind keine aufwendigen Kontrollen und Sicherheitsstudien erforderlich, während Verfahren der Gentechnik, die gezielter ins Erbgut eingreifen, strikten Regeln unterliegen. In Europa gilt dann die Richtlinie 2001/18/EG, und das deutsche Gentechnikgesetz setzt diese praktisch um, mit Blick auf ein Vorsorgeprinzip.

          Ob auch die modernen Verfahren des sogenannten Genome Editing unter diese Regelung fallen, zum Beispiel Talen, Crispr–Cas9 oder die Oligonucleotide Directed Mutagenesis, darüber wird derzeit heftig diskutiert. Möglicherweise müssen Juristen gänzlich neue Formulierungen finden, denn auf Klauseln, die Fortschritte berücksichtigen, sogenannte dynamische Verweisungen, hatte man in dieser Richtlinie verzichtet. So muss sich der Europäische Gerichtshof jetzt neben juristischen mit wissenschaftlichen Details auseinandersetzen, weil die mittels Genome Editing erzeugten Punktmutationen gleichfalls auf natürliche Weise entstehen könnten oder eben durch herkömmliche Züchtungsmethoden.

          In den Vereinigten Staaten widmen sich mit FDA, EPA und APHIS gleich drei zuständige Behörden den neuartigen Methoden, deren Anwendung so vielseitig ist wie die Regulierung unklar. Im Moment gelten dort beispielsweise Champignons, wie sie an der Penn State University im Labor von Yinong Yang mittels Crispr-Cas9 entstanden sind, nicht als „gentechnisch veränderte Organismen“: Sie sind nicht transgen, ihnen wurde keine fremde DNA eingesetzt. Stattdessen wurden die eigenen Erbinformationen editiert; durch kleine Deletionen ging ein Enzym und damit die Eigenschaft verloren, dass sich die Pilze braun verfärben. Somit sind sie weniger empfindlich und länger haltbar. Solche – schier ewig weiße – Champignons drängen noch nicht auf den deutschen Markt, doch ihr Beispiel veranschaulicht, was die Zukunft bringt. Ein anderes ist eine editierte Rapssorte, für die das amerikanische Unternehmen Cibus sich bereits in mehreren europäischen Ländern bestätigen ließ, dass es sich nicht um einen gentechnisch veränderten Organismus handelt. Auch in Deutschland kam das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelrecht zu dieser Feststellung, Cibus hätte den Raps demnach anbauen dürfen. Dagegen wurde prompt geklagt, der Bescheid ruht somit. Vorerst.

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