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Grippeimpfung : Diese Spritze lässt Herzen höher schlagen

  • -Aktualisiert am

Nachahmer gesucht: Eine Impfung für Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner. Bild: dpa

In manchen Gegenden wird der Impfstoff knapp. Was heißt das für die Grippe-Saison? Schwer vorauszusehen. Klar ist nur, wer am meisten von der vorbeugenden Spitze profitiert.

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          Viele von uns treibt jetzt wieder die Frage um: Soll ich mich im Herbst wieder gegen die Grippe impfen lassen und wie viel bringt eine solche Maßnahme überhaupt? Zweifler können darauf verweisen, dass die Influenza-Vakzine der vergangenen Saison nicht den erhofften Schutz geboten hat. Das gilt jedenfalls für den trivalenten Impfstoff, der gegen drei Virenstämme – zwei vom Typ A (H1N1 und H3N2) und einen vom Typ-B (Victoria) – gerichtet war. Basierend auf den Empfehlungen der Weltgesundheitsbehörde, hatte die Ständige Impfkommission  zunächst nicht eigens zum Vierfachimpfstoff geraten.

          Ein Virus namens Yamagata, das zur Familie der B-Viren gehört und nur vom Vierfachimpfstoff abgedeckt war, erwies sich aber schon bald als besonders virulent. Ganz wirkungslos sei der Dreifachimpfstoff dennoch nicht gewesen, stellt Corinna Volz-Zang vom Paul Ehrlich Institut klar. Denn er habe schwere Krankheitsverläufe verhindern können.

          Die Grippewelle der Saison 2017/2018 war nicht nur besonders schwer, sondern dauerte obendrein ungewöhnlich lang, und zwar an die 15 Wochen. Das dürfte auch ein wesentlicher Grund dafür gewesen sein, weshalb sie so viele Arztbesuche zur Folge hatte. Laut dem Robert-Koch-Institut in Berlin belief sich deren Zahl auf rund neun Millionen. Das waren etwa zwei Millionen mehr als in den Jahren 2012/2013 und 2014/2015, in denen die Influenza ebenfalls stark wütete und schätzungsweise rund 21.000 Todesfälle verursachte. Wie viele Menschen in der vergangenen Saison an den Folge der Grippe gestorben sind, ist noch nicht im Detail bekannt. Allein in Berlin sollen es jedoch rund 1100 gewesen sein.

          Bild: Robert-Koch-Institut, dpa

          Aufgrund der Erfahrungen aus der vergangenen Grippesaison hat die Stiko ihre Empfehlungen daher auch aktualisiert. So empfiehlt sie neuerdings, zur Vorbeugung gegen die saisonale Grippe immer Vierfachimpfstoffezu verwenden; die Zusammensetzung der Vakzine ändert sich freilich von Jahr zu Jahr, entsprechend den Empfehlungen der WHO. Der breitere antivirale „Schutzschirm“ des Vierfachimpfstoffs ist dennoch keine Garantie, dass man der Grippe sicher entgeht. Selbst im Bestfall, wenn der Impfstoff also gegen die richtigen Erreger mobil macht, beträgt der Schutzeffekt nur etwa 60 Prozent. Es gibt zudem nur wenige Studien, die zuverlässige Aussagen darüber erlauben, wie gut die saisonalen Grippeimpfstoffe jeweils wirken. Darauf verweist eine Gruppe von Autoren der Cochrane-Collaboration in einer aktuellen Übersichtsarbeit.

          Wie Mathias Pletz vom Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Jena sagt, gibt es dennoch gute Hinweise, dass Grippeimpfungen etwas bringen. „Laut den Ergebnissen mehrere Studien schützen diese unter anderem vor Herzinfarkten und Schlaganfällen“, sagt der Infektiologe. „Während und unmittelbar nach einer Grippe ist das Infarktrisiko deutlich erhöht und fällt erst in den darauffolgenden vier Wochen allmählich ab.“ Das sei selbst vielen Ärzten nicht bewusst.

          Dass eine Influenza Infarkte und Hirnschläge auslösen können sie gut nachvollziehen. So beruhten beide Erkrankungen auf atherosklerotisch bedingten Gefäßverschlüssen. „Schwere Infektionen wie die Grippe führen aber zu starken Entzündungsreaktionen, in deren Folge atherosklerotische Ablagerungen aufplatzen und einen Arterienverschluss hervorrufen können“, erklärt Pletz. Selbst wenn die Grippeimpfung in einem Jahr daher nicht so gut anschlagen sollte, sei sie dennoch ratsam. Das gelte vor allem für Patienten, die bereits eine Herzkreislauf-Attacke erlitten hätten oder in besonderem Maße hiervon bedroht seien.

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