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Web-Dokus: Goldrausch am Grund : Mit Blick aufs Meer

  • -Aktualisiert am

Inseln im Meer: Fidschi steht das Wasser schon bis zum Knöchel. Bild: Picture-Alliance

Das Wissenschaftsjahr ist gestartet, die Scheinwerfer sind jetzt auf die Meere und ihre Bedrohungen gerichtet. Ein Überlebenskampf, der auch von einem geopolitischen Showdown handelt und ab sofort in neuen, multimedialen Reportagen dokumentiert wird.

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          Die Welt der Meere hat in den vergangenen zehn Jahren immer mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und zwar nicht nur, weil der Klimawandel zum Megathema geworden ist. Inzwischen weiß man von Plastikstrudeln in den Ozeanen, Mikroplastik an den Stränden, überfischten Meeren, überhöhten Nährstoffeinträgen, Schwermetallbelastungen, Korallensterben, Abgas- und Lärmemissionen in den Meeren, von Wellenenergie und Algenzucht. Kurz: Die Liste der marinen Themen ist lang geworden. Grund dafür ist auch die Ozeanforschung, die immer mehr Erkenntnisse liefert.

          In Berlin ist gestern vom Bundesforschungsministerium zusammen mit „Wissenschaft im Dialog“ das neue Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane gestartet worden, Thema: „Entdecken. Nutzen. Schützen“. Mehr vom Meer gewissermaßen. Den großen Wurf in dieser Hinsicht wagte allerdings schon am vergangenen Samstag der Fernsehsender Arte mit einem Thementag „Meer entdecken!“. Die Kernbotschaft, immer wieder: Der Mond ist besser erforscht als die Weltmeere, die 71 Prozent der Erdoberfläche ausmachen. Nur fünf Prozent der Meere gelten als wissenschaftlich ergründet.

          Der Forschungscharakter der marinen Rundumschau bot die Chance, neue und wichtige Themen wie die Industrialisierung der Meere durch Tiefseebergbau in den Blick zu nehmen. Beeindruckend war hierzu die Dokumentation „Manganknollen vom Meeresgrund: Goldrausch im Pazifik“ von Friederike Lorenz, die an diesem Freitag, 10. Juni, noch mal gesendet wird (17.30 Uhr). Die Autorin zeigt darin, wie sich Firmen weltweit darauf vorbereiten, mit panzerartigen Gefährten den Tiefseeboden zu durchpflügen, um an Manganknollen zu gelangen. In ihnen haben sich über Jahrmillionen wertvolle Metalle wie Kupfer und Nickel angereichert, die an Land gebracht und dort gelöst werden sollen - mit dem Ziel, mittelfristig bestehende Ressourcenengpässe auszugleichen. Die Folgen für die Ökosysteme der Tiefsee? Unbekannt, vermutlich folgenreich. Ebenso wie die Entsorgung des giftigen Manganschlamms.

          Ähnlich unbekannt ist die Thematik, der sich Alexander Lahl und Max Mönch in ihrer Dokumentation „Die Eroberung der Weltmeere“ widmeten, die bereits an diesem Donnerstag, 9. Juni, um 17.30 Uhr wiederholt wird. Zentral geht es um die Macht der Wissenschaft bei der „größten Landnahme der Weltgeschichte“, die gerade unbeobachtet abläuft: Überall auf der Welt stellen Staaten Forschungen an, um zu beweisen, dass ihr kontinentaler Festlandsockel möglichst weit in das Meer hineinreicht. Sind ihre Daten aussagekräftig genug, empfehlen die 21, unter größter Geheimhaltung arbeitenden Experten der Internationalen Festlandsockelkommission in New York die Ausweitung des nationalen Territoriums. Mönch und Lahl geben investigative Einblicke in ein absurdes Gebahren moderner, jeglicher Kontrolle entzogener Geopolitik, die weitreichende Folgen haben kann: Allein Frankreich hat, ausgehend von seinen weltweit vertretenen Insel-Dependancen, Anträge zur Erweiterung seines Territoriums unter Wasser eingereicht, mit denen die Grande Nation um das Zwanzigfache wachsen könnte. Ähnlich ambitioniert sind die gleichgestrickten Pläne Russlands, Dänemarks und Kanadas, Teile der Arktis unterseeisch in ihren Besitz zu bekommen. Es geht dabei um die Eroberung milliardenschwerer Rohstoffvorkommen, wertvoller Fischgründe - und um Macht, bei deren Verteilung „die Politik nichts zu suchen“ hat, wie ein französischer Verantwortlicher sagt. Allein Experten und wissenschaftliche Daten entscheiden über die Zukunft der Territorien, so die Botschaft des aufrüttelnden Stücks.

          Begleitet wird die Fernsehdokumentation von einer vielgliedrigen, spannenden Webreportage (“Monopoly der Weltmeere“), die auch auf den OnlineSeiten dieser Zeitung den Auftakt für einen Themenschwerpunkt zu Meeren und Ozeanen bildet. Interaktiv und auf mehreren erzählerischen Pfaden, ergänzt durch zahlreiche Exklusiv-Interviews, geleiten Lahl und Mönch die Zuschauer durch die Meere und Institutionen.

          In den kommenden Monaten werden wir solche multimedialen Web-Dokumentationen, teils in Kooperation mit Arte, teils in Eigenregie produzierte Berichte, auf unserer Internetseite www.faz.net/wissen präsentieren. Letztlich blieb für den Arte-Thementag der Klimawandel mit seiner weltumspannenden Dimension noch stark im Hintergrund. Das dürfte sich bald ändern. Denn letztlich geht es im neuen Wissenschaftsjahr wie in der Forschung selbst immer mehr darum, die neuen Erkenntnisse wie auch die Ideen zur Rettung der Meere aufmunternd an die Oberfläche zu holen.

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