https://www.faz.net/-gwz-nl55

Geologie : Als Amerika eins wurde

  • -Aktualisiert am

Anhand von Fossilfunden im Norden Mexikos ist eine gängige These bestätigt worden: Die Verbindung zwischen Nord- und Südamerika über die Landbrücke von Mittelamerika gibt es seit mindestens 4,7 Millionen Jahren.

          2 Min.

          Anhand von Fossilfunden im Norden Mexikos ist jetzt bestätigt worden, was die Analyse von Sedimenten aus dem Karibischen Meer schon vor einiger Zeit vermuten ließ: Die Verbindung zwischen Nord- und Südamerika über die Landbrücke von Mittelamerika gibt es schon seit mindestens 4,7 Millionen Jahren. Damit erhält auch eine Hypothese neuen Auftrieb, nach der Änderungen der großen Meeresströmungen im Nordatlantik der Auslöser für die letzte große Vereisung auf der Nordhalbkugel waren. Bisher war die gängige Vorstellung, daß es noch vor 2,5 Millionen Jahren eine direkte Verbindung zwischen dem Pazifik und dem Atlantik über eine Meerenge im Gebiet des heutigen Panama gegeben hat. Der damit mögliche Wasseraustausch hätte die Vereisung verhindert.

          Bei den Funden, über die Oscar Carranza-Castañeda vom Zentrum für Geowissenschaften in der mexikanischen Stadt Juriquilla auf einer Tagung der Amerikanischen Geologischen Gesellschaft berichtet hat, handelt es sich um die ältesten Knochen von Riesenfaultieren, die nördlich des heutigen Panama-Kanals gefunden worden sind. Die meisten Knochen sind zwischen 3,6 und 3,9 Millionen Jahre alt, ein Wadenbein wurde sogar auf ein Alter von 4,7 Millionen Jahren datiert. Riesenfaultiere haben sich im Tertiär in Südamerika entwickelt und breiteten sich auf dem gesamten Kontinent aus. Erst als sich die Meerenge zwischen dem Atlantik und dem Pazifik durch die plattentektonisch verursachte Hebung des Isthmus von Panama schloß, konnten sie weiter nach Norden vordringen.

          Fossilien widersprachen Geologie

          Die bislang ältesten Fossilien ursprünglich südamerikanischer Tierarten in Nordamerika sind 2,5 Millionen Jahre alt und wurden in Arizona gefunden. Daraus hatten die meisten Geologen geschlossen, daß die Landbrücke von Panama erst kurz zuvor entstanden sein konnte. Das widersprach einer vor sieben Jahren von dem Paläontologen Steven Stanley von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore aufgestellten Hypothese, daß die vor etwa drei Millionen Jahren begonnene Vereisung der Nordhalbkugel mit der Hebung des Isthmus von Panama zusammenhing. Dieser Hypothese zufolge hatte der Zufluß von Pazifikwasser in den Atlantik erhebliche Folgen für den Wirkungsbereich des warmen Golfstroms gehabt, der heutzutage aus der Nähe der Karibik bis in den Nordatlantik auf die Höhe von Island und Norwegen fließt.

          Der Stille Ozean ist um einige Promille weniger salzhaltig als der Atlantik. Weil das Salz die Dichte des Meerwassers vergrößert, weist der Atlantik im Durchschnitt eine höhere Dichte auf als der Pazifik. Vor der Schließung der mittelamerikanischen Landbrücke hätte, so Stanley, salzärmeres Wasser aus dem Pazifik die Dichte des Wassers im Golfstrom reduziert. Ein solcher "leichterer" Golfstrom wäre noch weiter nach Norden, möglicherweise sogar bis ins Eismeer oder in die Barentssee, vorgedrungen. Die mit ihm in diese hohen Breiten transportierte Wärme hätte die Entstehung der großen nordischen Eispanzer verhindert.

          Lücke geschlossen

          Als sich die Meerenge schloß, wurde die Zufuhr "leichten" Wassers in den Atlantik unterbrochen. Daraufhin stieg die durchschnittliche Dichte des Wassers im Golfstrom, der nun nicht mehr bis in die Arktis vordringen konnte. Die bei der Untersuchung von Meeressedimenten aus der Karibik gewonnenen Ergebnisse hatten bereits auf mögliche Veränderungen der Dichteverhältnisse vor etwa 4,6 Millionen Jahren hingedeutet. Aber der Beweis durch Fossilfunde an Land hatte noch gefehlt. Den hat Carranza-Castañeda jetzt offenbar erbracht.

          Weitere Themen

          Strahlendes Horn

          Gefährdete Nashörner : Strahlendes Horn

          Der Kampf gegen Nashornwilderer ist teuer, aufwändig und gefährlich. Forscher versuchen nun in einem Pilotprojekt, die Tiere mit einem neuen Verfahren zu schützen.

          Topmeldungen

          In Partylaune: Deutsche Urlauber feiern am Strand von Arenal.

          Tourismus : Keiner will die Billigurlauber

          Der Partytourist gerät in Misskredit: Viel saufen und wenig zahlen, das wollen viele Staaten nicht mehr. Hinzu kommt der Klimaschutz. Naht das Aus für den billigen Urlaub?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.