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Genveränderte Babys : „Bei dieser Geschichte läuft alles falsch“

  • -Aktualisiert am

Ein sieben Wochen alter Fötus in einer Fruchtblase. Bild: dpa

Chinesische Forscher haben genveränderte Babys erzeugt und den Tabubruch provoziert. Wie halten wir es mit Eingriffen in die Keimbahn? Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats nimmt Stellung.

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          Es war ja nur eine Frage der Zeit, wann die Nachricht kommen würde. Jetzt ist sie da. Es ist passiert – oder vorsichtiger: Da behauptet einer, dem man es zutraut, dass es passiert ist. Er macht die Ankündigung einen Tag vor dem zweiten wissenschaftlichen Weltgipfel zum „Genome Editing“ in Hong Kong: He Jiankui aus der chinesischen Biotechmetropole Shenzhen behauptet: Zwei in diesem Monat geborene Zwillinge sind die ersten genmanipulierten Menschen in der Geschichte. Die Southern University of Science and Technology, der He angehört, hat sich in einer Stellungnahme empört über die  Experimente und darauf hingewiesen, dass die Versuche weder genehmigt sind noch auf dem Universitätscampus stattgefunden haben.

          Bei dieser Geschichte läuft einfach alles falsch. So darf Wissenschaft, wenn sie auch nur ansatzweise das Label Verantwortung vor sich herzutragen gewillt ist, nicht vorgehen. Umgekehrt: Das Ganze ist ein Bärendienst gegenüber allen ernsthaften Wissenschaftlern, die sich als Teil der Gesellschaft begreifen wollen. Jetzt werden alle wieder sagen: Es wird sowieso gemacht, was möglich ist, Wissenschaft kennt keine Grenzen und keine Tabus. Deshalb werden alle in der Wissenschaft Verantwortlichen sich nun für diese gegenwärtig inakzeptablen Humanexperimente rechtfertigen. Wer weiß, wie viel Vertrauen hier zerstört worden ist.

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