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Soziale Systeme : Raucherinnen bei der Partnersuche bevorzugt

  • -Aktualisiert am

Kommen Raucherinnen bei der Partnersuche wirklich besser an? Bild: dpa

Gesundheit erhöht die Chancen bei der Partnersuche, sollte man meinen. Doch die Sache ist komplexer – und für Männer und Frauen wieder mal eine jeweils andere.

          Der eine sucht in den Ferien die Einsamkeit, andere dagegen gerade die Geselligkeit. Ob Strandbar, Hoteldisco oder Singlereisen – Urlaub ist oft eine Partnerbörse. Doch die sommerlichen Wochen in der Ferne fungieren dabei wie ein Brennglas: Man verrät dort viel mehr über sich als zu Hause. Und das gilt vor allem für den Körper: Sonst von Textilien gnädig verhüllt, liegt der Leib jetzt in gnadenloser Sichtbarkeit im gleißenden Licht der südeuropäischen Sonne. Nie wird deutlicher, dass es, soziologisch gesprochen, eine vermutlich positive Korrelation von physischer Attraktivität und Erfolgen bei der Partnersuche gibt. Wer sich auszieht und dann immer noch anziehend wirkt, hat es einfach leichter als derjenige, an dem Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsabstinenz ihre unübersehbaren Spuren hinterlassen haben.

          Natürlich weiß man das auch ohne die Soziologie. Die kann inzwischen aber genauer fragen und den Einfluss der Gesundheit und des Gesundheitsverhaltens auf die Entstehung von Partnerschaften ganz exakt ausrechnen, weil es jetzt auch dafür die entsprechenden Daten gibt. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die Gründung einer Lebenspartnerschaft keine Phase mehr ist, die üblicherweise junge Menschen in relativ kurzer Zeit durchlaufen. Heute wird viel später geheiratet und häufiger wieder geschieden, eine Partnerschaft muss auch längst nicht mehr in eine Ehe münden, und vom Reproduktionszwang hat sie sich ohnehin längst gelöst. Partnersuche hat mit Jungsein nicht mehr viel zu tun, das wirft die Frage auf, ob sich die Bedeutung von physischer Attraktivität und Gesundheit beim Suchen eines Partners im Lebensverlauf verändert. Vielleicht ist es aber auch so, dass nur der Körper altert, nicht aber mit ihm das Begehren?

          Sport und hohes Einkommen als Schlüssel?

          Möglich macht solche Fragen das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP). In dieser seit 1984 jährlich wiederholten Befragung von Personen in deutschen Haushalten werden seit 16 Jahren auch Fragen nach der körperlichen und mentalen Gesundheit gestellt. Die Heidelberger Soziologen Ingmar Rapp und Jonathan Gruhler haben diese Daten mit den Singlephasen im Leben der SOEP-Teilnehmer verbunden, die älter als 17 Jahre sind. Deren Gesundheitszustand wurde durch eine Vielzahl von Fragen etwa nach Erkrankungen oder körperlichen und psychischen Einschränkungen sowie dem Gesundheitsverhalten (Ernährung, Sport, Rauchen) ermittelt.

          Eine entsprechende Ehrlichkeit der Antworten unterstellt, wollten die Forscher die Hypothese testen, dass sowohl eine schlechte mentale wie eine schlechte körperliche Gesundheit den Übergang in eine Partnerschaft generell unwahrscheinlicher mache. Dabei gingen sie auch davon aus, dass eine schlechte mentale Gesundheit hier noch schwerer wiegt als eine schlechte körperliche Verfassung der Befragten. Natürlich unter der Bedingung, dass der Einfluss störender anderer Variablen wie insbesondere das Einkommen eines Befragten herausgerechnet werden konnte.

          Die Ergebnisse der Studie verraten dann aber, dass es wohl doch nicht so einfach ist mit der Partnersuche. Ja, bei Männern hilft eine bessere körperliche und noch mehr eine mentale Gesundheit beim Übergang in eine Partnerschaft. Allerdings macht sich das erst ab dem mittleren Erwachsenenalter so richtig bemerkbar, wenn das Angebot potentieller Partnerinnen immer geringer wird. Kontrolliert man das aber mit Schichtzugehörigkeit und Gesundheitsverhalten, verliert dieser Effekt deutlich. Soll heißen: Wer mehr Einkommen erzielt und außerdem noch Sport treibt, kann gesundheitliche Nachteile ausgleichen.

          Gesunde Frauen bleiben länger allein

          Für männliche Sportmuffel gibt es aber noch eine gute Nachricht: Frauen sind beim BMI der Männer deutlich großzügiger als umgekehrt. Überhaupt zeigt die Studie erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei Letzteren nämlich reduziert eine bessere Gesundheit in jungen Jahren die Wahrscheinlichkeit einer Partnerschaftsgründung. Man könnte das so interpretieren, dass es solche Frauen mit einer Partnerschaft gar nicht eilig haben, da sie davon ausgehen können, auch später noch beste Chancen auf einen attraktiven Partner zu haben, eventuell sogar noch nach Ablauf ihrer fruchtbaren Jahre. Da überrascht es auch nicht, dass Frauen mit einer schlechteren Gesundheit viel früher Partnerschaften eingehen als ihre attraktiveren Altersgenossinnen.

          Und noch etwas überrascht: Bei Frauen ginge Rauchen mit einer höheren Übergangsrate in Partnerschaften einher, obwohl das ja nicht gerade dem allgemeinen Gesundheitsparadigma entspricht. Und doch ist auch dieser Befund plausibel, da es mehr Raucher als Raucherinnen gibt und Raucher Partnerschaften mit Raucherinnen bevorzugen, diese also einen größeren Partnermarkt vorfinden. Es könnte aber auch sein, dass die höhere Verpartnerungsrate von Raucherinnen daran liege, dass sie einfach geselliger seien. Leider wäre das aber ein unbeobachtbarer Faktor in ihrer Studie, so die Autoren. Davon gibt es bei der Partnersuche bekanntlich viele. Insofern sind die Soziologie und das Suchen und Finden der Liebe vielleicht gar nicht so verschieden.

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