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Embryologie und Todesstrafe : Unschuldige Nichtgeborene hinrichten

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Im Labor gezüchtete Blastozysten. Aus den Zellkugeln können sich nach dem Einnisten in der Gebärmutter Embryonen entwickeln. Jeder Zelltyp ist unterschiedlich eingefärbt. Bild: AP

Aus dem Fortschritt der Embryologie leitete Johann Andreas Planer die Ablehnung der Todesstrafe ab. Für den Mathematikprofessor an der Universität in Wittenberg enthielt der männliche Samen bereits miniaturisierte Menschlein.

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          Dass die Todesstrafe in demokratischen Rechtsstaaten abgeschafft sein sollte, ist heute ein – wenn auch nicht unbestrittener – Gemeinplatz. In der Bundesrepublik gibt es sie seit Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949 nicht mehr. Paradoxerweise kam damals die Forderung, den Artikel 102 einzuführen, aus dem rechtskonservativen Lager, das weitere Hinrichtungen von nationalsozialistischen Tätern durch die alliierten Militärgerichte verhindern wollte. Dennoch wurde der Grundsatz vor allem von den Sozialdemokraten um Carlo Schmid aufgenommen und avancierte zu einer der moralischen Grundlagen des neuen Staates.

          Normalerweise lässt man von ideengeschichtlicher Seite die aufklärerischen Aktivitäten gegen die Todesstrafe mit Cesare Beccaria beginnen, dem großen italienischen Rechtsreformer, der in den sechziger Jahren des achtzehnten Jahrhunderts die europäische Öffentlichkeit zum Umdenken in Sachen Strafe veranlasste. Einzelne zweifelnde Stimmen gab es auch zuvor; aber wer hätte gedacht, dass eine Spur bis an die Universität Wittenberg in den Jahren um 1700 zurückführt?

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