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Soziologie des Gaffens : Was gibt es hier zu sehen?

  • -Aktualisiert am

Paradoxie des modernen Straßenverkehrs: Undurchsichtiges soll Sicherheit schaffen. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein entwickelte diesen mobilen Sichtschutz zur Abwehr von Gaffern. Bild: dpa

Verbote sind zwecklos: Privatleute protokollieren Verkehrsunfälle, auch wenn sie die Rettung der Opfer gefährden. Warum? Zu einfach wäre es, der Aufnahmetechnik die Schuld zu geben. Über das Gaffen.

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          An den Anblick hat man sich gewöhnt. Keine Autobahnbrücke ohne Spruchbänder, die daran erinnern, in Situationen, bei denen es um Leib und Leben geht, die sogenannte Rettungsgasse frei zu halten für Fahrzeuge von Einsatzkräften, Sanitätern und Polizei. Als eine Ordnungswidrigkeit im Rahmen der Straßenverkehrsordnung, aber auch als eine Verletzung des Anspruchs auf Respekt und Würde der am Unfallgeschehen Beteiligten wird das Gaffen scharf sanktioniert, seit Beginn des neuen Jahres mit höheren Geldbußen. Einige Bundesländer investieren mittlerweile Millionen in die Anschaffung von Sichtschutzwänden, die Unfallorte vor den Blicken Neugieriger abschirmen sollen.

          Folgt man den Berichten der Polizei, so scheint die Tendenz ungebrochen, mit dem Smartphone das Leid von Mitmenschen aus nächster Nähe zu registrieren und in Fotos oder Filmen simultan oder anschließend im Netz zu verbreiten. Wer das Gaffen, die starre Neugier aufs Katastrophische, auf seine Voraussetzungen befragt, stößt auf ein komplexes Gemisch von Motiven.

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