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Rassismus bei Hegel? : Eine Last der Vernunft

  • -Aktualisiert am

„Das freie Auge“ rühmte Hegel an Christian Daniel Rauchs Goethe-Büste. Hegels Denkmal in der Berliner Dorotheenstraße schuf Gustav Hermann Blaeser. Bild: Angela Monika Arnold / Wikimedia Commons

Wie soll die Philosophie mit den rassentheoretischen Gedanken Hegels umgehen? Die Hermeneutik des Wohlwollens stößt hier an ihre Grenzen.

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          Wer durch die Philosophie-Abteilung einer deutschen Universitätsbibliothek spaziert, wird unweigerlich auf eine lange Reihe großer, bordeauxroter Bände stoßen: die Akademieausgabe der Werke Hegels. Hier finden sich auch mehrere, erst in jüngster Zeit erschienene Bände mit Nachschriften zu Hegels Vorlesungen. Blättert man durch die Vorlesungsbände zur Geschichtsphilosophie, zur „Philosophie des subjektiven Geistes“ oder zur Rechtsphilosophie, wird man bald auf Passagen wie die folgenden treffen: „Das geistige Naturell dieser Völker“ – im Satz zuvor war die Rede von den „Racen“ in der „alten Welt“ – „zeigt sich ebenso verschieden als die körperliche Beschaffenheit.“ Der „Charakter der Neger, der aethiopischen Race“ etwa, wird als „Zustande der Dumpfheit“ beschrieben, „des gediegenen Insichbleibens, das nicht zum Unterschiede fortgeht, nicht zum Gedanken“.

          Andernorts heißt es: „Die Neger sind eine Kindernation, die aus der kindlichen Interessenlosigkeit nicht herausgehn.“ Unter ihnen herrsche „der höchste Mangel von Bewußtsein von Persönlichkeit: daher laßen sie sich auch so leicht zu Sclaven machen“. Und die Revolution auf Haiti kommentiert Hegel so: „Die Möglichkeit menschlicher Freiheit ist also in den Negern auch vorhanden, aber es liegt nicht in ihnen, sich aus ihrer Natürlichkeit herauszumachen.“ Vielmehr müsse man „die Freiheit durch Bändigung des Naturells der Neger ihnen anerziehen“ – die haitianischen Revolutionäre hätten also ohne Versklavung gar kein Freiheitsbewusstsein entwickeln können.

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