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Psychologie im Urlaub : Freuden des Nachdenkens

Gerade im Urlaub schadet es nicht, das Handy mal beiseite zu legen. Bild: dpa

Einfach seinen Gedanken nachzuhängen, ohne aufs Smartphone zu starren, macht Menschen viel mehr Spaß, als sie glauben. Das zeigt auch eine aktuelle Studie.

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          Wer nach einer amüsanten Aktivität für den anstehenden Urlaub sucht, für den gibt es jetzt wissenschaftlich belegten Rat: einfach mal nachdenken! Klar, denken klingt erst mal langweilig, geben die Psychologen der Universität Tübingen zu. Doch herumzusitzen und seinen Gedanken nachzuhängen mache Menschen mehr Spaß, als sie vorher annehmen, schreiben die Wissenschaftler im „ Journal of Experimental Psychology: General“.

          Um den Unterhaltungswert des Denkens zu ermitteln, führte das internationale Forscherteam sechs Experimente mit insgesamt 259 Studenten in Japan und England durch. Diese durften dabei nichts tun, sondern nur verschieden lange herumsitzen, mal in einem Konferenzraum, mal im Dunkeln. In einem der Versuche sollten die Teilnehmer zudem vorher einschätzen, ob ihnen das Lesen von Onlinenachrichten oder Nichtstun mehr Freude bereiten würde. In einer Welt, in der im Zug oder Wartezimmer alle in jeder freien Sekunde sofort auf ihr Smartphone glotzen, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Probanden annahmen, Ablenkung sei grundsätzlich unterhaltsamer. Tatsächlich war dies aber nicht so.

          Die Forscher betonen zwar, dass Nachdenken auch nicht als „extrem“ unterhaltsam empfunden wurde, sondern auf der Spaß-Skala nur etwa vier von sieben Punkten erhielt. Durchschnittlich empfanden die Probanden das Denken jedoch als angenehmer, als sie vorher geglaubt hatten, und es lag auch mit dem Lesen von Nachrichten gleichauf. Bereits bekannt ist, dass zielloses Nachdenken einige Vorteile birgt, indem es etwa die Kreativität anregt oder „hilft, den Sinn des Lebens zu finden“, schreiben die Forscher. Sie fürchten nun, dass die Leute all dies verpassen, weil sie glauben, sich ständig beschäftigen zu müssen. Die Botschaft an die Urlauber ist klar: Habt Mut zur Langeweile!

          Johanna Kuroczik
          Redakteurin im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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