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Soziale Systeme : Freunde und Helfer der Polizei

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Spenden an die Polizeistiftung: Doch warum ist das keine Bestechung? Bild: dpa

Wer Ordnungshütern finanziell Gutes tun will, spendet der Polizeistiftung. Aber warum gilt das nicht als Bestechung?

          Unter den Polizisten in Fulton County, Georgia, erinnert man sich heute noch an jenen ranghohen Geistlichen, der dort vor bald zwanzig Jahren verhaltensauffällig wurde. Zusammen mit seiner Gemeinde hatte der gute Mann nämlich beschlossen, einhundert Ordnungshüter mit einem Betrag von jeweils eintausend Dollar zu beschenken. Selbstverständlich wurden die Empfänger dieser Gabe angewiesen, sie auf der Stelle zurückzugeben; aber das war nicht alles. Vielmehr wurde sogleich eine polizeinahe Stiftung gegründet, und schon wenige Tage danach ging dort die Gesamtsumme von einhunderttausend Dollar ein, diesmal allerdings mit der Maßgabe des Kirchenmannes, sie nicht etwa ausgewählten Polizisten, sondern der Polizei als Organisation zuzuführen.

          Das erste Geschenk wäre ein Eklat gewesen, aber an dem zweiten nahm die Öffentlichkeit keinen ernsthaften Anstoß – immer vorausgesetzt natürlich, dass das Geld nicht am Ende doch noch den Polizisten persönlich zugutekomme. So ein organisiertes Fundraising zugunsten der lokalen Polizei ist in Amerika, aber auch in Kanada durchaus verbreitet. Die dazu passende Ideologie ist die der Bürgernähe. Eingehende Spenden ergänzen danach nicht nur das Budget der Polizei, übrigens immer nur um insgesamt minimale Anteile, sie zeigen auch an, dass rechtstreue Bürger wissen, was sie an dieser Organisation haben.

          Neutralität der dritten Instanz?

          Wenn es einem Geistlichen gelänge, einhundert Polizisten durch große Geschenke zu persönlicher Dankbarkeit zu verpflichten, dann würde dies wie ein vorsorglicher Freikauf aus etwaiger Strafverfolgung wirken. Gaben dieser Art verzerren die Gleichheit vor dem Gesetz, und zwar zugunsten derjenigen, die sich die sei es naive, sei es kalkulierte Großzügigkeit leisten können.

          Aber warum verliert dieses Argument an Kraft, sobald mit den Stiftungen eine dritte und vermittelnde Instanz hinzutritt? Dieser Frage sind nun zwei Soziologen nachgegangen, und zwar anhand der Polizei in Vancouver, deren eigene Stiftung für vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit bekannt ist. Zusätzlich zu den Daten, die sie auf diese Weise gewinnen konnten, haben die Forscher auch die Presseresonanz einzelner Zuwendungen verfolgt und schließlich ein längeres Interview mit dem Leiter der Stiftung geführt.

          Stiftungen sind danach zunächst einmal ideale Bittsteller. Da sie mit dem Nutznießer der eingeworbenen Spenden nicht identisch sind, entfällt die für ihn geltende Bettelschwelle. Außerdem muss niemand, der sich von einer Stiftung erfolglos bitten lässt, die versteckte Rache des Nutznießers fürchten. Das erleichtert es, die Spendenbereitschaft als freiwillig zu verstehen.

          Die einzige greifbare Gegenleistung, die der Spender durch die Stiftung empfängt, liegt denn auch darin, dass er sich in seiner Großzügigkeit öffentlich anerkannt findet. Anders als bei Bestechungen wird sein Name dankbar und lautstark erwähnt, und damit ist auch klar, dass jede gegen ihn gerichtete Ermittlung mit erhöhter Wachsamkeit würde rechnen müssen.

          Keine üblichen Verdächtigen

          Auch die Aufgabe, sich zu bedanken, fällt der Stiftung zu und nicht etwa der Polizei selbst, und um dies klarzustellen, muss der Spender sich in Vancouver sogar schriftlich verpflichten, keinerlei Ansprüche auf künftige Vorzugsbehandlung durch Polizisten zu erheben. Plausibel sehen die Autoren darin ein schwaches Instrument, da es ohnehin zur sozialen Rolle des Wohltäters gehört, jedes eigene Interesse an Gegenleistungen zu bestreiten.

          Nur im Schutze dieses Dementis kann ein Geschenk ja eine Dankespflicht des Empfängers auslösen, nur so lässt es sich gegen den offenen Tausch abgrenzen. Außerdem wählt die Stiftung ihre Sponsoren so aus, dass niemand von ihnen zu den üblichen Verdächtigen gehört. Ein Bordellbetreiber mag illegale Möglichkeiten sehen, sich die Polizisten gewogen zu machen, aber der Polizeistiftung würde er seine Hilfsbereitschaft vergeblich antragen.

          Die eigentliche Leistung der Polizeistiftung sehen die Autoren darin, alle anrüchigen Zusammenhänge zwischen der Herkunft und der Verwendung des Geldes zu unterbrechen. Entweder wird der Spender direkt um die Unterstützung eines Projektes gebeten, das die Stiftung ganz unabhängig von seiner Identität gerne fördern würde. Dann kommt als Motiv seiner Unterstützung nur in Betracht, dass der sich von der allgemeinen Bedeutung der Sache hat überzeugen lassen. Er kann dann nur noch als Gemeindemitglied und nicht als Interessent spenden.

          Oder er gibt sein Geld ohne feste Zweckbindung in einen größeren Topf, und dann kann die Stiftung auswählen, welche Finanzierungswünsche der Polizei sie in welcher Reihenfolge erfüllt. In keinem Falle sollte das Geld an Zwecke gewendet werden, die in den unmittelbaren Interessenbereich des Spenders fallen: Zuwendungen eines Großkonzerns werden also nicht ausgerechnet der Abteilung für Wirtschaftskriminalität zugeführt, sondern kommen eher der Hundestaffel zugute.

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