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Party-Psychologie : Warum junge Menschen feiern müssen

  • -Aktualisiert am

Bleiben Nachtclubs und Bars geschlossen, zieht es Alt und Jung auf öffentliche Plätze, um zusammen zu sein, wie hier am Frankfurter Opernplatz. Bild: Maximilian von Lachner; FAZ

Die Jugend feiert trotz steigender Infektionszahlen weiter und macht sich unbeliebt. Doch gerade junge Menschen brauchen den sozialen Austausch, sie leiden besonders unter den Restriktionen. Warum, dazu gibt es eine ganze Menge Vermutungen.

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          Raus, bloß endlich raus. Menschen treffen, ein Bier trinken, lachen, feiern, das Leben genießen. Kneipen und Bars füllten sich zuletzt am Wochenende: In Hamburg drängen Massen über die Reeperbahn und durchs Schanzenviertel, Berlin und Frankfurt erlassen eine Sperrstunde, um den Feierwütigen Herr zu werden – und damit hoffentlich das Coronavirus in Schach zu halten. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft ist groß, bei allen. Bei den Jungen so sehr, dass sie geschlossenen Clubs zum Trotz in Parks und an Flussufer ziehen und maskenlos in großen Gruppen feiern, bis die Polizei das Ganze auflöst. Warum fällt es ihnen so schwer, dies angesichts einer Pandemie zu unterlassen? Was zieht die Menschen zur Party, zur Geburtstagsfeier, zur Hochzeit? Psychologen und Soziologen haben dafür keine wissenschaftlich belegten Erklärungen, aber eine ganze Menge Vermutungen.

          Fest steht jedenfalls, neu ist dieses Phänomen nicht. In seiner Novellensammlung „Il Decamerone“ aus dem 14. Jahrhundert erzählt der italienische Schriftsteller Giovanni Boccaccio, wie zehn junge Leute vor der Pest fliehen, die in Florenz wütet. In einem kleinen Schloss vor der Stadt lassen sie es sich gutgehen, sie spielen und tanzen. „Offensichtlich ist es dem Menschen eigen, Zeiten von Not, Angst und wirtschaftlicher Angespanntheit mit seinem Hang zum Libidinösen auszugleichen“, sagt Claas Lahmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uniklinik Freiburg. Libidinös heißt in diesem Fall: Dinge tun, die Freude machen.

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