https://www.faz.net/aktuell/wissen/geist-soziales/nasa-programm-zur-erforschung-unerklaerlicher-phaenomene-18101062.html
Ulf von Rauchhaupt (UvR)

Unidentifizierte Flugobjekte : Wieder auf Marsmännchen-Jagd

Unidentifiziert: Erscheinung auf einem am 28. April 2020 von der Infrarotkameras eines Piloten der U.S. Navy aufgenommenen Filmclips Bild: AFP

Die NASA interessiert sich jetzt auch für UFOs. Das ist an sich nicht ehrenrührig. Die Frage ist nur, ob die Raumfahrtbehörde an ausreichend Daten für einen wissenschaftlichen Blick auf die Sache kommt.

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          Fast genau ein Jahr ist es her, da mussten das Pentagon und die amerikanischen Geheimdienste einen Bericht darüber veröffentlichen, was ihnen an Informationen zum Thema „Unidentified aerial phenomena“, vulgo UFOs vorläge. Der amerikanische Kongress hatte den Report angefordert, nachdem entsprechend rätselhafte Filmaufnahmen aus Flugzeugen der U.S. Navy an die Medien gelangt waren. Das mit Spannung erwartete Ergebnis war dann allerdings ganze neun Seiten dünn und listete 144 Sichtungen auf, für die man keine Erklärung habe finden können.

          Das Wort „Außerirdische“ fällt darin nirgends. Nun aber hat die NASA verkündet, sich des Themas annehmen zu wollen – und dort scheut man das A-Wort keineswegs. Gleich zu Beginn der Vorstellung des Projekts am 9. Juni knüpfte der NASA-Manager Thomas Zurbuchen die Verbindung zur Suche nach Leben im All, etwa nach fossilen Biosignaturen auf dem Mars. Auch die Ausschau nach möglichen „Technosignaturen“ auf fremden Planeten hat die amerikanische Raumfahrtbehörde inzwischen im Programm.

          Wie lange ist das Jahr 1994 doch her, als der demokratische Senator Richard Bryan aus Nevada mit den Worten „Das ist hoffentlich das Ende der Marsmännchen-Jagdsaison auf Kosten der Steuerzahler“ der NASA den Geldhahn für SETI-Aktivitäten, also das Lauschen nach außerirdischen Radiobotschaften, abdrehte.

          Aber nicht nur die Politik, auch die akademische Elite scheint beim Thema nicht mehr länger zu fremdeln. Das neue NASA-Projekt wird vom prominenten Astrophysiker David Spergel geleitet, Professor emeritus an der Princeton University. Sein Team soll vom kommenden Herbst an neun Monate lang alle Daten über unerklärliche atmosphärische Phänomene sichten und Methoden ausarbeiten, wie solche Daten künftig systematisch erhoben werden können.

          Kein leichtes Spiel für Sicherheitsbehörden

          Tatsächlich ist die Frage, ob es Aliens gibt, nicht per se unwissenschaftlich. Und auch, dass sie, falls es sie gibt, hinter der einen oder anderen unerklärten atmosphärischen Erscheinung stecken, ist zumindest denkmöglich. Dass diese Denkmöglichkeit einen breiten Sektor der Populärkultur ernährt, ist auch noch kein Grund, sich über die NASA lustig zu machen.

          Allerdings, das Feld sei „relativ datenarm“, gestand Thomas Zurbuchen auf dem Presseevent zu dem neuen Programm. Aber es gelte ja erst einmal, den Datenreichtum weit genug zu erhöhen, um eine naturwissenschaftliche Herangehensweise an das Thema überhaupt erst zu ermöglichen. Doch selbst wenn solche Daten in einem dafür notwendigen Umfang grundsätzlich zu gewinnen wären, kann man sich fragen, wie eine zivile Weltraumbehörde die Generäle und Schlapphüte dazu bringen will, ihr wirklich alles zu verraten, was ihre Analysten wissen und mit welchen Technologien –  auch den geheimen – sie es herausgefunden haben.

          Plausibler ist da doch die Vermutung, dass die Sicherheitsdienste von ihrem tatsächlichem Wissen oder Unwissen immer gerade nur so viel preisgeben, als sichergestellt ist, dass Russen oder Chinesen im Unklaren darüber bleiben, inwieweit deren Spähtechnik von den Amerikanern vielleicht tatsächlich für außerirdische Hardware gehalten wird.

          Ulf von Rauchhaupt
          Redakteur im Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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