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Amok und Terror : Gebt ihnen keine Bühne!

  • -Aktualisiert am

In der Filiale der Fastfood-Restaurantkette begann der Amoklauf eines Jugendlichen mit insgesamt 10 Todesopfern und zahlreichen Verletzten. Bild: dpa

Amokläufer haben mehr Aufmerksamkeit denn je. Ähnliches gilt für terroristische Anschläge. Und immer sind die Folgen fatal, wie eine Studie aus Amerika jetzt zeigt.

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          In den Vereinigten Staaten haben sich Amokläufe und Angriffe, bei denen mehrere Personen wahllos attackiert und getötet wurden, in den vergangenen fünfzehn Jahren verdreifacht. Im gleichen Zeitraum hat auch die Berichterstattung über diese Taten deutlich zugenommen, was von den Medien mit ihrer Verpflichtung zur Information begründet wird.

          Bilder von laufenden Polizeieinsätzen sind heute nichts Ungewöhnliches mehr. Die Öffentlichkeit wird in Echtzeit über den Ablauf der Tat und oft auch schon über die Identität der Täter und ihre möglichen Motive informiert. Viele Angreifer schicken eigene Bilder von der Tat oder Erklärungen über ihre Beweggründe an die Presse und stellen sie ins Netz. Mehr Publizität geht kaum noch.

          Jennifer Johnston und Andrew Joy von der Western New Mexiko University betrachten diese Entwicklung mit Sorge. Die beiden Wissenschaftler haben bei der Jahrestagung der „American Psychological Assoziation“ in Denver nun eine Untersuchung präsentiert, nach der die Medien durch ihre extensive Berichterstattung zum Anstieg dieser Taten beigetragen haben.

          Ein medialer Teufelskreis

          „Die Identifikation mit früheren Tätern, die durch die extensive Berichterstattung berühmt geworden sind, einschließlich der Veröffentlichung ihrer Namen, Gesichter, Lebensgeschichten und Hintergründe, löst einen mächtigeren Schub in Richtung Gewalt aus als psychische Erkrankungen oder der Zugang zu Waffen“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

          Dass mehr Anschläge nicht nur zu mehr Berichterstattung führen, sondern mehr Berichterstattung auch zu mehr Attacken, zeigen Untersuchungen, nach denen das Risiko für weitere Vorfälle unmittelbar nach einer Tat um 22 Prozent höher ist als vor der Tat. „Wer Gewalt als Lösung seiner Probleme betrachtet, erhält durch die extensive Berichterstattung das Gefühl, dass man durch eine solche Tat garantiert berühmt wird“, erklären Johnston und Joy.

          Schüler der Fachhochschule der Polizei üben am 08.08.2016 den Ernstfall eines Amoklaufes.
          Schüler der Fachhochschule der Polizei üben am 08.08.2016 den Ernstfall eines Amoklaufes. : Bild: dpa

          In den Vereinigten Staaten haben die Täter zumeist eine weiße Hautfarbe, sind zwischen 20 und 50 Jahre alt, betont heterosexuell und fühlen sich als Opfer von Ungerechtigkeiten und Zurückweisungen. Sie haben den Eindruck, dass man ihnen nicht den Platz einräumt, der ihnen gebührt. Die Täter sind zudem depressiv, sozial isoliert und krankhaft narzisstisch.

          Für Terrorismus gilt dasselbe Prinzip

          Johnston und Joy wollen, dass man Amokläufern den Ruhm, den sie suchen, mit einer „Don’t Name Them“-Kampagne verweigert. „Wenn die klassischen und die sozialen Medien übereinkommen würden, die Namen der Täter, ihre Lebensgeschichten und ihre verqueren Ideen nicht mehr zu publizieren, würden wir schon in den kommenden ein oder zwei Jahren eine deutliche Abnahme dieser Tötungen sehen“, schreiben sie in einer Erklärung. Vermutlich könnte ein Rückgang von 30 Prozent möglich sein.

          Eine ähnliche Debatte ist derzeit auch im Umgang mit Terroristen im Gange, denn auch diese erhalten durch die extensive Berichterstattung eine öffentliche Bühne für ihre Propaganda. Einige französische Medien haben daher angekündigt, die Namen von Attentätern nicht mehr zu nennen und auch keine Fotos mehr von ihnen zu zeigen.

          Margaret Thatcher plädierte bereits 1985 dafür, Terroristen den „Sauerstoff der Publizität“ zu entziehen. Trotzdem wird bei der Suche nach den möglichen Ursachen für Amokläufe und Tötungen kaum über die ansteckende Wirkung der Medien gesprochen.

          Stattdessen wird beinahe reflexartig auf die schädliche Wirkung der gewaltverherrlichenden Computerspiele verwiesen. So hat auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Gewaltvideos im Internet für den Amoklauf in München mitverantwortlich gemacht.

          Bei der Berichterstattung über Tötungen würden sich Johnston und Joy gerne an dem öffentlichen Umgang mit Suiziden orientieren. In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatten sich die Medien darauf geeignet, nicht mehr über den Freitod von Prominenten zu berichten, damit die Menschen, die sich mit dem Gedanken an einen Suizid tragen, nicht durch eine Berichterstattung über solche Ereignisse dazu ermuntert werden. Warum sollte man nicht auch bei Amokläufen und Tötungen Absprachen über die Grenzen der Berichterstattung ziehen können?

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