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Lücken beim Datenschutz : Das Netz weiß es trotzdem noch

  • -Aktualisiert am

Ist der digitale Schlüssel die Lösung?

Heute sind etwa in Deutschland neun von zehn Internetnutzer in mindestens einem Sozialen Netzwerk angemeldet. Die Hälfte von ihnen gibt laut dem Branchenverband Bitkom an, dort auch Fotos zu veröffentlichen. Zwar haben die Nutzer nicht zuletzt dank der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) das Recht, ihre Fotos löschen zu lassen. Aber damit sind unliebsame Bilder niemals wirklich aus der Welt. Sobald man etwas ins allgemein zugängliche Internet stellt, gibt man die Kontrolle darüber auf:  Andere Nutzer laden sich Fotos herunter, Suchmaschinen speichern Schnappschüsse von Internetseiten und Projekte wie die „Wayback Machine“ haben es sich zum Ziel gemacht, große Teile des Internets herunterzuladen und zu archivieren. Was sich das Internet aber nicht merkt, das sind die Transportwege der Daten. „Es gibt also keine verlässliche Information darüber, wer Daten abgerufen hat und wohin diese geflossen sind“, sagt Michael Ochs vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering. Daher könne man nie sicher sein, dass ein Bild oder Text auch wirklich gelöscht wurde.

Sicherheit: Die Datenschutzgrundverordnung sorgt nicht nur für einen sicheren Umgang mit Daten, sondern auch für Irritation.

Es gibt technische Lösungen für dieses Problem, aber die haben Nachteile. Man könnte ein System entwickeln, das jede Bewegung und Vervielfältigung personenbezogener Daten aufzeichnet und in einer Blockchain speichert. Das ist die Technologie, die auch Transaktionen virtueller Währungen wie Bitcoin verteilt auf mehreren Rechnern registriert, speichert und rückverfolgbar macht. „Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, denn es würde so eine Unmenge an zusätzlichen Daten entstehen, die wiederum missbraucht werden könnten“, sagt Ochs. Ausgerechnet der Wunsch, Daten zu schützen, würde also noch viel mehr sensible Daten erzeugen.

Alternativ ließen sich Datensätze mit einer Funktion versehen, über die sie sich regelmäßig bei einem Punkt melden, um dabei dann auch erfahren zu können: Ich soll gelöscht werden. Aber dafür müsste man zum einen eine komplexe Infrastruktur aufbauen, in der man die Datenschutzinformationen vorhält. „Zusätzlich muss der Datensatz mindestens regelmäßig auf das Internet zugreifen können“, sagt Ochs. Was einmal nicht online ist, würde auch nicht erfahren, dass es gelöscht werden soll. Die Universität Saarbrücken wiederum hat eine Lösung entwickelt, bei der Bilder oder Texte generell nur verschlüsselt veröffentlicht werden. Der nötige digitale Schlüssel, um die Inhalte anzuzeigen, wäre im Netz abrufbar. Will man das Bild löschen, muss man nur den Schlüssel aus dem Internet entfernen. Schon ließen sich auch die Inhalte nicht mehr öffnen.

Es gibt keine Garantie im Netz

All diesen Lösungen ist gemein, dass sie von entsprechend motivierten Nutzern schon durch simple Screenshots umgangen werden könnten. Außerdem sind es lediglich Mittel, um den Ausnahmefall herbeizuführen, bei dem jemand aktiv dafür sorgen will, dass das Internet etwas vergisst. Für Viktor Mayer-Schönberger aber wäre es wichtiger, über die alltägliche Praxis des Vergessens zu reden. „Deswegen spreche ich mich für ein Verfallsdatum aus“, sagt er. Soziale Medien wie Facebook müssten eine Voreinstellung setzen, durch die sich Fotos, Videoclips oder Texte nach einiger Zeit automatisch löschen. „Handelt es sich aber um ein Ereignis, das dem Nutzer besonders wichtig ist – etwa ein Foto von der Abschlussfeier des Studiums –, dann sollte der Nutzer die Vorgabe ändern können, damit das Foto auf Facebook sichtbar bleibt.“

Warum aber sollten sich soziale Medien darauf einlassen, wo sie doch von Daten leben? Die Änderung der Löschvorgabe wäre für das Netzwerk auch eine wichtige Information. „Es wüsste somit, welche Ereignisse für einen Nutzer wichtig sind“, sagt Mayer-Schönberger. Auch den Suchmaschinen könnte man das Vergessen beibringen, indem man ihnen über die „noindex“-Marke in Zukunft nicht nur sagt, ob sie eine Website in ihren Index aufnehmen dürfen oder nicht, sondern auch, wie lange die Seite im Index bleiben darf. So könnten Zeitungen etwa dafür sorgen, dass Berichte über Verbrechen nur eine begrenzte Zeit in den Suchergebnissen auftauchen.

Doch auch ein digitales Verfallsdatum erzwänge am Ende nicht das perfekte Vergessen. Es ließe Fotos oder Berichte, die einmal im Netz standen, nicht mit Garantie überall verschwinden. Es erschwerte lediglich den Maschinen um uns herum das Erinnern und erleichterte uns damit wieder das Vergessen.

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