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Psychiatrie : Sind junge Erwachsene empfänglicher für „Ausraster“?

Was, wenn die Welt junger Leute kopfsteht? Bild: dpa

Die Gründe für auffälliges, ja krankhaftes Verhalten bei jungen Leuten können in der Pubertät liegen. Neue Befunde zur speziellen „Verdrahtung“ jugendlicher Hirne zeigen die Rolle von Krankheitsgenen.

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          Was in den Köpfen von Heranwachsenden vor sich geht, beschäftigt nach den jüngsten Bluttaten das ganze Land. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Amoklauf und psychiatrischem Befund, zwischen Depression und Selbstmordanschlag? Sind junge Erwachsene empfänglicher für solche „Ausraster“?

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Psychologen und Psychiater können im Einzelfall nicht mehr in die Köpfe der Täter sehen, aber genau dort suchen sie immer öfter nach möglichen Zusammenhängen – und nach Fehlfunktionen, die am Ende zu Verhaltensauffälligkeiten bis hin zur Krankheit führen. Britische Forscher haben dreihundert junge Leute zwischen 14 und 24 Jahren im Kernspintomographen untersucht und versucht, die Veränderungen in der Großhirnrinde im Verlaufe der Jugendentwicklung herauszuarbeiten.

          Dass sich die Hirnrinde im Zuge der Pubertät massiv umbaut, dass sie kompakter und dünner wird, war längst bekannt. Dass jedoch dieser Umbau im Kortex, in der Hirnrinde, dazu führt, Nervenstränge auch in dieser Region und keineswegs nur in der „weißen Hirnmasse“ zwischen den Hirnhälften elektrisch zu isolieren, wusste man nicht. Mit den Myelin-Ummantelungen können die Nerven effizienter und schneller miteinander kommunizieren. Sie konzentriert sich offenbar auf zentrale Areale, in denen eine Reihe von Genen aktiviert werden, die man bisher vor allem mit der Ausbildung von Schizophrenie und Depression in Verbindung brachte.

          „Offenbar werden in der sensiblen Zeit der Pubertät diese Gene aktiviert und die Grundlagen für schwere psychische Erkrankungen gelegt“, meint der Psychiater Ed Bullmore von der University of Cambridge. Dass es noch viel zu entdecken gibt im jungen Gehirn, hat auch eine in „Nature“ veröffentliche Studie des „Human Connectome Projects“ gezeigt: In den hochaufgelösten Hirnaufnahmen hat man in den beiden Hirnhälften jeweils 97 bisher unbekannte Kortexareale mit jeweils sehr speziellen Verschaltungen kartiert – und damit die Zahl der Hirnrindenareale mit einem Schlag mehr als verdoppelt.

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