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Außerirdische : Könnten wir sie überhaupt verstehen?

Die Alien-Logogramme aus „Arrival“ wurden von der Künstlerin Martine Bertrand entworfen. Die Vorschläge der Linguisten und Grafiker waren zu wenig fremdartig. Bild: Abbildung Sony Pictures

„Arrival“ heißt ein neuer Film, in dem es darum geht, wie wir mit Aliens reden müssten. Wissenschaftler haben sich schon seit längerem Gedanken darüber gemacht.

          Hören Sie da irgendwelche Wörter?“, fragt der Colonel die Sprachwissenschaftlerin. Der bärbeißige Soldat glaubt allen Ernstes, die Forscherin müsse mit den Geräuschen auf der Tonaufnahme etwas anfangen können, da sie ja Sanskrit, Mandarin und vermutlich ein gutes Dutzend weiterer Sprachen beherrscht. Der Irrtum ist schnell ausgeräumt. Das jüngst in den Kinos angelaufene Science-Fiction-Drama „Arrival“ stellt sich dem Problem, das viele Produkte des Genres gerne unterschlagen: Außerirdische, so es sie überhaupt gibt, dürften weder Englisch noch Sanskrit sprechen. Wahrscheinlich artikulieren sie sich nicht einmal in einem Frequenzbereich, mit dem das menschliche Gehör etwas anfangen kann. Das tun auch viele irdische Lebewesen nicht, selbst solche, die mit uns recht nahe verwandt sind, Fledermäuse zum Beispiel.

          Ulf von Rauchhaupt

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Stattdessen geht die Linguistin in „Arrival“ deiktisch, also deutend, vor, um mit der Besatzung des riesigen, linsenförmigen Raumschiffs ins Gespräch zu kommen, das da über einer Wiese in Montana schwebt. Sie sorgt für vernünftigen Sichtkontakt, weist mit den Händen auf sich und ihren Kollegen und zeigt dabei eine Tafel mit der Aufschrift „Human“. Dann schreibt sie ihren Namen auf die Tafel und deutet nur auf sich. Die Fremden scheinen zu verstehen, denn irgendwann antworten sie auf ähnliche Weise – mit Logogrammen in Form kalligraphischer Tintenkringel.

          Mit Ufos will SETI nichts zu tun haben

          Nun dekodieren die Forscherin und ihr Kollege die Kringel mit Hilfe der damit jeweils beantworteten Fragen. Das gelingt, weil Mensch und Alien hier direkt interagieren können. Eine „Begegnung der dritten Art“ nannte der amerikanische Astronom J. Allen Hynek solch eine Situation. Eine Begegnung der ersten Art wäre eine bloße Sichtung eines Ufos, eine der zweiten bestünde in dessen Interaktion mit der irdischen Umwelt – in Kinofilmen oft ein von den Aliens verursachter Stromausfall. Berühmt wurde diese Terminologie durch den Titel von Steven Spielbergs Filmklassiker aus dem Jahr 1977, an dem Hynek als Berater mitwirkte.

          In den 1950er und 1960er Jahren war Hynek einer der wenigen professionellen Wissenschaftler, die bereit waren, einen außerirdischen Hintergrund für die Ufo-Berichte in Betracht zu ziehen. Die meisten seiner Kollegen wollten indes nichts mit fliegenden Untertassen zu tun haben. Auch jene nicht, die sich seit 1960 mit „Search for Extraterrestrial Intelligence“ (SETI), also der Suche nach intelligentem Leben im All, befassen. Oft sind es Radioastronomen. Ihnen würde schon reichen, ein Funksignal aufzufangen, bei dem sich ein natürlicher Ursprung mit so hoher Wahrscheinlichkeit ausschließen lässt, dass die Frage „Sind wir allein im All?“ endlich verneint werden kann.

          Es gibt Milliarden Planeten. Aber das sagt noch gar nichts.

          Es gibt zwar hundert Milliarden Sterne allein in unserer eigenen Galaxie, und in den letzten Jahren wurde es immer gewisser, dass die meisten von ihnen von Planeten umkreist werden. Doch dies allein ist keineswegs bereits ein Argument dafür, dass es da draußen noch jemand gibt. Keine Logik, kein Naturgesetz und auch nicht die Evolutionstheorie erzwingt, dass sich artikulations- und reflexionsfähige Organismen mehr als einmal im Kosmos entwickelt haben. Dass dem so ist, könnte allein eine positive SETI-Detektion zeigen.

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