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Bildungsforschung : Schönes Unwissen

Unbegrenztes Wissen dank Google und Wikipedia: Doch will der Mensch das auch? Bild: dpa

Im digitalen Zeitalter lassen sich unendlich viele Informationen sofort abrufen. Aber sehnen sich die Menschen wirklich nach unbegrenztem Wissen? Bildungsforscher sind zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

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          Was können wir heutzutage nicht alles wissen, wenn wir nur wollen. Bevor wir ein Restaurant besuchen, können wir lesen, was andere Menschen dort gegessen haben und wie sie es fanden, wir können berechnen lassen, wie lang wir für das Lesen eines Buches brauchen, das wir sicher mögen werden, wenn wir bereits ähnliche Bücher mochten, und bevor wir uns auf das Wagnis eines Treffens mit einem bisher unbekannten Menschen einlassen, können wir schnell Google befragen, ob sich Anzeichen charakterlicher Abgründe finden lassen.

          Sibylle Anderl
          Redakteurin im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wissen ist Macht - die großen Daten-Player dieser Welt lassen bekanntlich nichts unversucht, dieses Wissen bis in die privatesten Details unseres Lebens weiter auszuweiten und uns dann nutzerfreundlich daran teilhaben zu lassen. Allein, es mehren sich die Anzeichen, dass dieser Entwicklung vielleicht ein Missverständnis zugrunde liegen könnte. Denn wollen wir überhaupt alles wissen, was wir wissen können? Gerd Gigerenzer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Rocio Garcia-Retamero von der Universität Granada sagen: Nein.

          Angenehmer leben mit Unwissen

          In ihrer jüngsten Studie gehen sie dem Phänomen des freigewählten Unwissens nach, beruhend auf zwei verschiedenen Motivationen: zum einen der Verzicht auf Neuigkeiten über bevorstehende, unvermeidliche, negative Ereignisse wie eine unheilbare Krankheit, zum anderen auf Neuigkeiten, die eine positive Überraschung vorwegnehmen, wie das Geschlecht des ungeborenen Kindes. In beiden Fällen nennen die Wissenschaftler antizipiertes Bedauern als Triebfeder des freiwilligen Informationsdefizits: Es sind Szenarien denkbar, in denen Unwissen die angenehmere Option gewesen wäre.

          In zwei beschriebenen, repräsentativen Studien in Deutschland und Spanien wollten immerhin bis zu 90 Prozent der Befragten schlechten Neuigkeiten aus dem Weg gehen, bei positiven Ereignissen waren es noch 40 bis 70 Prozent, obwohl das Wissen neue Handlungsoptionen geschaffen hätte. Nur ein Prozent der Befragten, die als furchtlos und risikofreudig identifiziert werden konnten, zogen jederzeit vor, über die Zukunft Bescheid zu wissen. Nicht behandelt wurde in der Studie übrigens Unwissen, das gewählt wird, weil es einen strategischen Vorteil erzeugt. Zu beobachten beispielsweise, sofern globale Datensammler gar nicht erst wissen wollen, ob ihre Nutzer Informationen teilen wollen, um besser vorhersagbar zu werden.

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