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Ferne Weihnachtsgrüße (5) : Wann ist denn der Truthahn endlich fertig?

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Das Forschungszentrum Cern bei Genf versinkt im Schnee Bild: Cern

Weihnachten am Forschungszentrum Cern bei Genf herrscht für die Männer um Jesper Nielsen stets Hochbetrieb, obwohl alle Aktivitäten ruhen und die Beschleunigeranlagen abgeschaltet sind. Feiern können sie trotzdem.

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          In den Weihnachtsferien fällt das europäische Zentrum für Teilchenphysik (Cern) bei Genf regelmäßig in eine Art Winterschlaf. Mitte Dezember werden der „Large Hadron Collider“ und die übrigen Beschleunigeranlagen abgeschaltet, alle Experimente ruhen. Für die Mehrheit der Mitarbeiter ist die freie Zeit die ideale Gelegenheit, einige Tage bei ihren Familien und Freunden zu verbringen.

          Doch wir vom Team für „Technischen Infrastruktur“ am Cern, die das ganze Jahr über rund um die Uhr für den reibungslosen Betrieb der Teilchenbeschleuniger verantwortlich sind, müssen auch jetzt vor Ort sein. Für uns sind die Wintermonate sogar die arbeitsreichste Zeit des Jahres. Denn, selbst wenn die Beschleunigeranlagen nicht laufen, so sind doch die meisten Kühlsysteme etwa für die supraleitenden Beschleunigermagnete weiterhin in Betrieb. Und die gilt es fortwährend zu überwachen. Ebenso wie das Stromnetz, das auch im Winter den größten Teil der Anlagen mit elektrischer Energie versorgt.

          Die Crew von Jesper Nielson (4. von rechts beim Weihnachtsmenü im Kontrollzentrum am Forschungszentrum Cern bei Genf. Bilderstrecke

          Die Winterpause ist auch die beste Zeit für Wartungsarbeiten und überfällige Reparaturen, die wir nur bei ruhendem Betrieb sicher ausführen können. Auch der LHC wird jetzt technisch aufgerüstet, damit darin im Frühjahr Wasserstoffkerne mit noch höheren Energien umlaufen und kollidieren. Oft helfen uns – freiwillig, versteht sich – Operateuren, die die Teilchenbeschleuniger von den Kontrollräumen aus bedienen und überwachen. Für die Kollegen ist jetzt die Chance, einmal in das Innere der großen Maschinen zu blicken, so wie wir von ihnen auch mehr über die Physik der Beschleuniger lernen.

          Während der Weihnachtstage machen aber auch wir mal Pause. Dann wird mit Herzenslust gekocht. Da auch wir wie alle Mitarbeiter des Cern aus den unterschiedlichsten Ländern kommen, so will ein jeder von uns den anderen zeigen, was man im eigenen Land typischerweise isst und kocht. Das ist mittlerweile eine gute Tradition geworden.

          Wir laden unsere Familien und Freunde ein, um im großen Kreis ein richtig gutes Abendessen zu genießen. Dabei kann es hin und wieder vorkommen, dass am Cern plötzlich der Strom ausfällt. Das passiert mindestens einmal, wenn wir gerade beim Kochen sind. Kein Wunder also, wenn der Truthahn niemals so richtig durchbraten kann.

          Jesper Nielsen leitet das zehnköpfige Team für „Technical Infrastructure“ im großen Kontrollzentrum des Cern

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