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Manipulierte Bilder : Fake oder Fakt?

Psychologen der britischen Universität Warwick haben 700 Probanden gebeten, einzuschätzen, ob vorgelegte Bilder nachträglich bearbeitet wurden. Die Bilder zeigen alltägliche Szenen. Was denken Sie, ist in diesem Bild alles so, wie es dem Original entspricht? Bild: Sophie Nightingale, Cognitive Research, 2017

Langsam gewöhnen wir uns daran, Fotos zunehmend zu misstrauen. Aber wie gut sind wir darin, manipulierte Bilder als solche zu erkennen? Nicht sehr gut, sagen Psychologen – aber testen Sie selbst.

          Auf Twitter machen sich viele einen Spaß daraus, ihr Alter anhand einer Begebenheit zu umschreiben, deren Veraltungsgrad der Lebensreife entspricht. Dabei wird die Zahl durch eine Aussage ersetzt, die nur Menschen mit einem ähnlichem Alter verstehen: „Ich bin ,Kassette umdrehen‘ Jahre alt“, steht im Tweet. Oder: „Ich bin ,Schwimmen nur mit Badekappe‘ Jahre alt“. Ähnlich nostalgische Gefühle wird bald (wenn nicht schon jetzt) auch die Aussage „Ich bin ,Es stimmt, denn ich habe ein Foto gesehen‘ Jahre alt“ hervorrufen. Gut, auch zu analogen Zeiten gab es schon weitreichende Bearbeitung und Retusche von Bildern. Aber das Ausmaß visueller Täuschung, das wir heute digital erleben dürfen, bewegt sich doch auf einem ganz anderen Niveau.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Kein Grund jedoch, sich Sorgen zu machen. Wir Menschen sind ja schließlich lernfähig: So wie wir heute ohne Probleme Musik auf dem Smartphone statt dem Kassettenrekorder abspielen, können wir auch viel besser mit der potentiellen Verfälschung von Fotos umgehen und wissen, auf diese Gefahr zu achten. Oder etwa nicht? Forscher um Sophie Nightingale von der britischen Universität Warwick haben den Test unternommen: Dafür zeigten sie rund 700 Probanden jeweils zehn verschiedene Fotos von Alltagssituationen, von denen die Hälfte in verschiedener Weise digital verändert worden waren.

          Wurde dieses Bild nachträglich manipuliert? Und wenn ja, wo? Bilderstrecke

          Beispielsweise wurden Gegenstände in Fotos hineinkopiert, Schatten verändert oder Hintergrundelemente verzerrt. Die Testpersonen sollten zunächst beurteilen, ob Manipulationen vorlagen. Das Ergebnis war enttäuschend: Grade einmal 60 Prozent der Fakes wurden korrekt als solche identifiziert. Damit schnitten die Beobachter nur wenig besser ab, als wenn sie ihr Urteil auf zufälliges Raten basiert hätten. Und lediglich bei 45 Prozent der veränderten Bilder konnten die Änderungen zusätzlich auch noch korrekt benannt werden.

          Als die Probanden in einem zweiten Experiment direkt nach dem Ort nachträglicher Fotobearbeitung gefragt wurden, war die Erfolgsquote etwas höher. Die Entscheidung, ob etwas manipuliert ist, scheint schwieriger als diejenige, wo die Manipulation steckt. Klar ist: Unsere Fähigkeit zur visuellen Fake-Aufdeckung hat deutliches Verbesserungspotential. Solang wir das nicht abrufen können, bleibt uns immerhin noch der Einsatz von „Foto-Forensikern“ – Experten für Bildbearbeitung, die anhand systematischer Pixelanalyse die Bearbeitungsgeschichte digitaler Abbildungen rekonstruieren können. Und vielleicht sagen wir dann ja irgendwann „Ich bin ,Was sind bildforensische Methoden?‘ Jahre alt.“

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