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Eine Marginalie Schopenhauers : Im Anfang war der Tritt

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Goethe war gut: Die hier von Arthur Schopenhauer überlieferte aftertheologische Bemerkung ist dem braven Eckermann entgangen. Bild: Michael Falser

Das sagt man nicht, das macht man nur: Wie Arthur Schopenhauer in einer Randnotiz zu einem naturphilosophischen Lehrbuch mit Goethe den kosmologischen Gottesbeweis umkehrte.

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          Zu meiner Zeit nahm man das Wort nicht in den Mund, außer man wollte gerade einmal ein bisschen unanständig sein: „A...“. Der Hintern war „der Unaussprechliche“. Man half sich auch mit dem „Allerwertesten“ oder, wenn es eine Aufforderung werden sollte, mit Goethe: „Götz von Berlichingen“. Abgesehen von diesem berühmten Zitat, das jeder kennt, steckt die Forschung über das Anal-Logische bei Goethe noch in den Anfängen. Man weiß zwar, dass er Karl August Böttiger ein „A...gesicht“ nannte, und kennt ein paar einschlägige Stellen im „Faust“, aber es gibt noch Entdeckungen zu machen. Hier mein Beitrag zu diesem Thema, für den ich etwas ausholen muss.

          Im ersten der drei Bände einer „Philosophia Britannica“ hatte Dolf Sternberger, der mir seine Bücher vermacht hat, handschriftlich „Exlibris!“ vermerkt, mit einem dicken Ausrufungszeichen. Unnötig eigentlich, denn gegenüber, auf der Innenseite des Buchdeckels klebt, sehr gut lesbar, der besitzanzeigende Zettel mit einem berühmten Namenszug: „Schopenhauer“.

          „Philosophia Britannica“ – sehr bezeichnend für das, was man auf der Insel unter Philosophie verstand. Es handelt sich um ein naturwissenschaftliches Lehrbuch: „Neuer und faßlicher Lehrbegrif der Newtonschen Weltweisheit, Astronomie und Geographie in zwölf Vorlesungen von G. Martin“, eine deutsche Ausgabe von 1772, übersetzt von einem C. H. Wilke. Drei schöne Bände mit 81 Kupfertafeln. Nach Auskunft von Thomas Regelhy, dem Schriftexperten der Frankfurter Schopenhauer-Gesellschaft, findet sich im erhaltenen Rest von Schopenhauers Bibliothek auch noch das englische Original.

          Sternberger muss es übersehen haben

          Dolf Sternberger war für Kuriosa immer zu haben. Bei aller Gravität verfügte er als humoristische Hochbegabung über einen beachtlichen Schatz von Pointen und Bonmots. Ausgeschlossen, dass ihm die Seite 159 des ersten Bandes vor Augen gekommen war. Er hätte mit Vergnügen registriert, was dort zu lesen ist, und es bei Gelegenheit zitiert – gewiss nicht ohne eine kleine gespielte Entrüstung. Sternberger muss es übersehen haben. Das ist kein Vorwurf. Ein Buch aus der Bibliothek von Schopenhauer muss man nicht lesen, zumal, wenn der Inhalt veraltet war. Es reicht, wenn man es besitzt. Was also ist auf Seite 159 zu sehen?

          Im Buch geht es an dieser Stelle um die „cirkelförmige Bewegung“, deren Wichtigkeit für unser Weltbild wir verstehen sollen, „wenn wir, für den sich in die Runde bewegenden Körper, einen Planeten; den Mittelpunkt die Sonne; die Centralkraft oder den Strick, ihre anziehende Kraft; und endlich für den Stoß die Kraft des allmächtigen Gottes setzen, die er in der Erschaffung der Dinge geäußert hat“. Dazu notierte dann Schopenhauer mit Bleistift am Rande: „als er nämlich (wie Göthe sich einmal ausdrückte) der Welt einen Tritt in den Arsch gab“.

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