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Swing States : Lila gibt den Ausschlag

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z. Andre Piron

Warum die Amerikaner in den Swing States politisch flexibler zu sein scheinen als in den übrigen Bundesstaaten.

          Die Farbe Lila ist im amerikanischen Parteiensystem eigentlich nicht vorgesehen. Wahlberechtigte Amerikaner dürfen sich zwischen republikanischem Rot und demokratischem Blau entscheiden. Und dennoch finden im Präsidentschaftswahlkampf fast ausschließlich die Purple States, die lila Bundesstaaten, Beachtung. Dort liegen beide Parteien in den Umfragen so dicht beieinander, dass sich – anders als in vielen politisch gefestigteren Regionen Amerikas – nicht vorhersagen lässt, wer am Ende die meisten Stimmen auf sich vereinen wird.

          Es gibt viele Ausdrücke für dieses Phänomen: lila Staaten, Swing States, Schlachtfeldstaaten oder, wegen des noch völlig offenen Ausgangs für beide Kandidaten, wie beim Loswurf manchmal auch Toss-up States. Wie man sie auch nennt – in diesen Staaten werden die entscheidenden Stimmen gewonnen. 2012, bei der vorangegangenen Wahl, zeigte sich, welche Folgen das hat: Der Wahlkampf schien in vier Fünfteln des Landes gar nicht mehr stattzufinden. Fernsehspots und Wahlkampfauftritte der damaligen Kandidaten Obama und Romney konzentrierten sich fast ausschließlich auf die Swing States.

          Entscheidung der Wechselwähler schwer kalkulierbar

          Kaum erforscht ist, warum das Votum der Bürger dort mal zugunsten der einen, mal zugunsten der anderen Seite ausfällt. Erst seit wenigen Wahlperioden werden die Swing States überhaupt als politgeographisch relevantes Thema wahrgenommen. Die einfachste Erklärung führt die lila Flecken in der amerikanischen Politiklandschaft auf Wechselwähler zurück. Sie fühlen sich nicht mit einer Partei verbunden und entscheiden deshalb von Mal zu Mal neu, wo sie ihr Kreuzchen setzen. Laut einer Umfrage der Washington Post“ nach der Wahl 2012 identifizierten sich 38 Prozent der wahlberechtigten Amerikaner mit den Demokraten, 32 Prozent ordneten sich den Republikanern zu, und 29 Prozent bezeichneten sich als unabhängig.

          Besonders junge Wähler unter 35 fühlen sich ungebunden. Zwar wählen die sogenannten Millennials tendenziell häufiger die Demokraten als die Republikaner. Gleichzeitig aber stehen sie der traditionellen Parteipolitik skeptisch gegenüber, so dass ihre Wahlentscheidungen schwer kalkulierbar sind. Ähnlich unberechenbar scheinen katholische Wähler zu sein. Darauf deuten zumindest Daten von 1992 bis 2004 hin. In diesem Zeitraum vertraten Katholiken vorwiegend moderate Positionen, die sich nicht eindeutig parteipolitisch zuordnen ließen.

          Demographische Veränderungen als Ursache

          Wer nun annimmt, in den Swing States lebten immer besonders viele junge, katholische oder allgemein unabhängige Wähler, irrt. Oft genügt ein kleiner Prozentsatz an Wechselwählern, um die Wahlergebnisse eines Staats oszillieren zu lassen. Dafür müssen die beiden großen Lager nur eine etwa gleich starke Basis haben. In solchen Fällen bilden die Wechselwähler das Zünglein an der Waage. Noch wahrscheinlicher aber schaukelt die politische Meinung der Wähler gar nicht hin und her. Häufig verändert sich einfach nur die Bevölkerungszusammensetzung eines Staats.

          Ein Beispiel dafür ist die Region der Westlichen Mountains. Dort, in den Bundesstaaten Idaho, Nevada, Utah, Colorado, New Mexico und Arizona, stimmten die Bürger seit jeher für die Republikaner. Doch demographische Veränderungen seit dem Beginn des Jahrtausends haben die vormals gefestigte öffentliche Meinung aufgeweicht. Der gewachsene Anteil der Stadtbevölkerung zum Beispiel scheint den Demokraten mehr Stimmen einzubringen. Verstärkend wirkt sich der Zuzug vieler Latinos aus. Auch die meist zu den Demokraten neigenden Einwanderer aus Kalifornien haben die Mehrheitsverhältnisse verändert. Zudem kamen mit der Zeit immer mehr wechselfreudige Millennials ins Wahlalter.

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