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Digitaler Ratgeber : Mit Wikipedia durch die Corona-Kontroversen

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Prof. Dr. Grundmann ist Philosoph. Er lehrt Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie und Logik an der Universität zu Köln.
Prof. Dr. Grundmann ist Philosoph. Er lehrt Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie und Logik an der Universität zu Köln. : Bild: Universität Köln

Die Laiin muss nur einen Schnellcheck in drei Schritten durchführen und kann die dafür nötigen Informationen durch eine kurze Internetrecherche zusammentragen. Allerdings ist Vorsicht geboten. Nicht alle Internetseiten sind zuverlässig und vertrauenswürdig. Andererseits ist es für Laien oft schwierig, die zuverlässigsten Informationen über Datenbanken von Forschungsinstitutionen, investigative Recherchen von Qualitätsmedien oder wissenschaftliche Metastudien zu wissenschaftlichen Konvergenzen zu finden und, vor allem, zu verstehen. Der Start mit der Internetenzyklopädie Wikipedia ist deshalb ein guter Kompromiss. Man kann dort leicht aktuelle Informationen zu praktisch allem finden, und in puncto Zuverlässigkeit kann Wikipedia, wie verschiedene empirische Studien gezeigt haben, mit renommierten kommerziellen Enzyklopädien durchaus mithalten. Wikipedia ist natürlich nicht schlauer als die Experten selbst, aber den dort verfügbaren wissenschaftlichen Lebensläufen und Dokumentationen der Verläufe von wissenschaftlichen Debatten kann man in der Regel trauen. Ein klarer Vorteil ist es, dass bei Wikipedia alle nötigen Informationen für jedermann leicht und zudem auf Deutsch verfügbar sind. Sehen wir uns die Checkliste einmal genauer an:

Die 3 Schritte der Checkliste

Schritt 1: Ist der betrachtete Experte wirklich einschlägig? Dazu muss die fragliche Person auf das Fachgebiet des fraglichen Themas spezialisiert sein. Wenn es um Fragen der Virologie oder Epidemiologie geht, dann genügt es nicht, wenn jemand Mediziner mit einer Spezialisierung in Orthopädie ist wie Andreas Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, der neuerdings Stammgast in Fernsehdiskussionsrunden über die Corona-Infektion ist. Einschlägige medizinische Experten sind zudem wissenschaftliche Experten, die zu dem Spezialgebiet aktiv forschen und in anerkannten Fachzeitschriften regelmäßig veröffentlichen. Eine Tätigkeit als praktizierender Arzt in diesem Bereich genügt dafür nicht. Ob Personen diese Bedingungen erfüllen, lässt sich häufig durch einen gezielten Blick in die Wikipedia-Einträge zu den Personen ermitteln. Ein Beispiel: Anfang 2019 gab es eine öffentliche Debatte darüber, ob eine geringfügige Überschreitung der bei uns geltenden Grenzwerte für Stickoxide überhaupt gesundheitsgefährdend ist. Der Lungenfacharzt Dieter Köhler bestritt das in einem öffentlichen Positionspapier. Aber ein Blick in Wikipedia hätte sofort zeigen können, dass Köhler, obwohl er einen Professorentitel trägt, kein Wissenschaftler, sondern ärztlicher Direktor eines Krankenhauses war, und dass er zum Thema Stickoxide nie aktiv geforscht hat. Auf ähnliche Weise lassen sich auch die Experten, die sich an der Diskussion über die Corona-Pandemie beteiligen, überprüfen. Findet man in Wikipedia keinen oder nur einen wenig aussagekräftigen Eintrag zu einem vermeintlichen Experten, dann lohnt es sich, über Google nach der Forschungsinstitution zu suchen, an der die Person arbeitet. Dort findet man fast immer einen Lebenslauf, der Auskunft über die Spezialisierung, die Forschungsarbeiten und die Aktivitäten der Betreffenden gibt.

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