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Kolonialismus-Forschung : Was weiß der Postkolonialismus vom Kolonialismus?

  • -Aktualisiert am

Sudan und Senegal liegen direkt nebeneinander, sind auf einem geraden Weg verbunden und setzen dem ordnenden Zugriff der Europäer keinen Widerstand entgegen: So nahm sich die koloniale Welt auf der Pariser Weltausstellung 1900 aus. Aber wie war es um die Rückwirkung solcher Ordnungsvorstellungen auf Afrika bestellt? Bild: Brown University Library

Die historische Forschung hat sich von der Vorstellung verabschiedet, dass der koloniale Staat ein totalitäres Regime gewesen sei. In den postkolonialen Studien kehren die Träume der Kolonialherren von absoluter Macht zurück.

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          Der französische Spielfilm „Noirs et Blancs en couleur“ („Sehnsucht nach Afrika“) des Regisseurs Jean-Jacques Annaud aus dem Jahr 1976 beginnt mit einer langsamen Kamerafahrt durch einen abgelegenen Kolonialposten in Französisch-Westafrika. Die Soldaten nicken im Schatten eines Affenbrotbaums, die Dorfbewohner erledigen ihre Alltagspflichten. Der Anthropologe schreibt wehmütige Briefe in die Heimat, der Chef des Postens trinkt seinen Absinth. Sein Diener preist ihm die Verlockungen einer jungen Verwandten an. Was immer der hohe Herr sich an Narrheiten ausdenken mag, er wird sie in den Armen seiner afrikanischen Konkubinen vergessen. Missionare versuchen den Dorfbewohnern ihre katholischen Devotionalien im Tausch gegen deren Masken und Figuren aufzuschwatzen. Jeder Tausch ein neuer Gläubiger für die Statistik, und die schönen Stücke kommen ins Museum. Doch die Afrikaner sind harte Verhandlungspartner. Dann beginnt der Erste Weltkrieg und macht aus dem verschlafenen Posten ein Tollhaus. Die Afrikaner beteiligen sich teils widerwillig, teils amüsiert an dem Tohuwabohu, das die plötzlich aus der Lethargie erwachten Patrioten in diesem entfernten Winkel ihres Empires aufführen. Der seltsame Krieg wird am Ende durch die Ankunft eines britischen Bataillons unter dem Kommando eines indischen Offiziers beendet.

          Der Staat wird beneidet um seinen dicken Bauch

          Der Film ist eines der besten künstlerischen Porträts über das, was Kolonialismus in dieser Zeit bedeutete. Indem Annaud die Lethargie und die Absurdität des Kolonialismus so treffend herausarbeitet, leugnet und verharmlost er nicht dessen Brutalität. Es gibt Szenen alltäglichen Gewalt, der Demütigung der Dorfbewohner durch die Franzosen. Afrikaner sterben in diesem sinnlosen Krieg am Ende der Welt. Annauds Porträt des französischen Kolonialreiches hat indes wenig mit dem zu tun, was viele postkoloniale Theoretiker unter Kolonialismus verstehen.

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