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Kirchliche Titelgeschichte : Wo borgte sich der Leihbischof sein Bistum?

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Bischofswappen als Schießscheibe, ein Vierteljahrtausend vor dem Synodalen Weg: Franz Karl Joseph Fugger (1708 bis 1769) war Weihbischof von Konstanz und Titularbischof von Domitiopolis in Kleinasien. Bild: Rosgartenmuseum Konstanz

An Titulaturen war die römische Kurie niemals klamm: Das Institut des Weihbischofs oder Hilfsbischofs wird in den kirchengeschichtlichen Handbüchern von einer Legende verdeckt.

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          Canon 376 des Codex Iuris Canonici unterscheidet zwei Arten von Bischöfen: „Bischöfe, denen die Sorge für eine Diözese anvertraut ist, werden Diözesanbischöfe genannt, die übrigen Titularbischöfe.“ Bischöfe, die den bloßen Titel eines Bischofs tragen, gibt es sowohl an der Kurie wie in den Ortskirchen; die Auxiliarbischöfe, die einem Diözesanbischof Hilfsdienste leisten, werden auch Weihbischöfe genannt. Verwirrenderweise wird aber auch den Titularbischöfen, die in ihrer großen Mehrheit als Weihbischöfe den Ortsbischöfen zuarbeiten, ein eigenes Bistum zugeteilt, eine Diözese, die nur (noch) auf der Landkarte existiert. So ist etwa Hans-Jochen Jaschke, Weihbischof zunächst in Osnabrück und später in Hamburg, Titularbischof von Tisili, einer Stadt in der Kirchenprovinz Karthago.

          1878 hat der protestantische Kirchenrechtsgelehrte Paul Hinschius in seinem mehrbändigen Werk „Das Kirchenrecht der Katholiken und Protestanten in Deutschland“ behauptet, da „die katholische Kirche die Protestanten immer noch als Christen, wenngleich als Häretiker, ansieht“, seien die in der Reformation untergegangenen Bistümer nie Titularbistümer geworden. Diese Erklärung überzeugt nicht, weil die Bezeichnung für die Titularbistümer als Bistümer „in partibus infidelium“ (in Land der Ungläubigen) erst im sechzehnten Jahrhundert gebräuchlich wurde. Eine ausdrückliche Beschränkung der Titularbistümer auf Territorien der Nichtchristen gab es in vorreformatorischer Zeit also nicht. 1882 schaffte die Kongregation für die Verbreitung des Glaubens den „i.p.i.“ abgekürzten Titelzusatz der Titularbischöfe mit Rücksicht auf die Mission im Orient wieder ab.

          Ebenfalls nach Hinschius soll die Rechtsfigur des Titularbischofs ins achte Jahrhundert zurückreichen, als Araber, Sarazenen genannt, in den Mittelmeerraum einfielen und die dort ansässigen Bischöfe vertrieben hätten. Nach dem Tod eines vertriebenen Bischofs sei der Bischofstitel weiterhin verliehen worden. Der auf ein okkupiertes Bistum ernannte Bischof sei von Inbesitznahme und Residenzpflicht befreit gewesen, solange er nicht in sein Bistum zurückkehren konnte. Mit dieser Praxis soll der Heilige Stuhl seinen Anspruch auf das Bistum unterstrichen haben. Diese Geschichte des Titularbistums steht bis heute in den Lexika und Handbüchern. Aber trifft sie zu?

          Die Vertriebenen behielten Ehre und Amt

          Das Bischofslexikonprojekt des 2011 verstorbenen katholischen Kirchenhistorikers Erwin Gatz konzentrierte sich auf die Biographien, ohne dass die historische Entwicklung des Instituts der Weihbischöfe neu untersucht worden wäre.

          Schon im Jahre 341 entschied das Konzil von Antiochien, dass ein Bischof, der ohne eigenes Verschulden nicht in seinem Bistum wirken könne, „Ehre und Amt“ behielt und dass ihm eine neue Aufgabe zugesprochen werden sollte. Angesichts der muslimischen Eroberungskriege bekräftigte die Trullische Synode 692, dass die vertriebenen Bischöfe als solche mit bischöflichen Rechten anerkannt blieben. Das war neu, weil bis zu diesem Zeitpunkt ein Bischof nur in seinem Bistum wirken durfte. Die Bischofslisten der spätantiken Kirche belegen, dass die während der islamischen Eroberungszüge seit dem siebten Jahrhundert aufgehobenen Bistümer gar nicht nachbesetzt wurden. Ganz Europa wäre von diesen Bischöfen „überschwemmt“ worden. Zeitgenössische Quellen hätten doch wenigstens einen dieser zahllosen Bischöfe erwähnt?

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