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Berliner Dokumentationszentrum : Ein weites Feld

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Ihr Großvater stammte aus Posen, ihre Mutter aus Danzig: Angela Merkel besucht das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Bild: dpa

Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung am Anhalter Bahnhof in Berlin ist die erste Bundeseinrichtung, die sich dem Leben vieler Einzelner widmet, das nichts weiter auszeichnet, als unwiederbringlich zu sein.

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          Noch steht die Kiste in Damaskus. Tagebücher aus sechzig Jahren, ein Romanentwurf, Dokumente. Die Kiste gehört Maria Renger-Krayem. In Damaskus, Beirut und Amman hat sie gelebt. Ihre deutsche Staatsbürgerschaft hat sie nie preisgegeben, seit sie Mitte der Fünfzigerjahre nach Syrien ausgewandert ist, einmal Flucht und Vertreibung hatte sie da schon hinter sich, vom katholischen Marienbad ins evangelische Wassertrüdingen am Hesselberg, nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit 92 Jahren lebt sie wieder in Deutschland. Ihre Jugend liegt jetzt bereits an der Erinnerungsgrenze, an der das Gedächtnis scheitern muss, wenn niemand nachhilft.

          Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung am Anhalter Bahnhof in Berlin ist ein Ort der vieldeutigen, nicht auf eine Blickrichtung festlegbaren Erinnerung geworden, in dem das ganze Leben der Maria Krayem seinen Platz hat. Noch freilich liegt der Schwerpunkt beim Versuch einer schulbuchmäßigen Synthese, weniger bei den Lebensläufen, die hier erfasst und bewahrt werden sollen. Aber das Zentrum ist die erste Bundeseinrichtung, die sich dem Leben vieler Einzelner widmet, das nichts weiter auszeichnet, als unwiederbringlich zu sein. Unverständlich und unheimlich auch, weil alles Heimliche oder Heimische darin wenigstens einmal ganz verloren ging. Seit Jahren führt das Zentrum Zeitzeugeninterviews, gerade noch rechtzeitig, was Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen betrifft; aber damit ist die Arbeit nicht getan, denn Flucht und Vertreibung sind Teil der Gegenwart und absehbaren Zukunft.

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