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Verschiebung und Verdichtung: Rio Reisers Gedankenspiele für das Theaterstück „Märzstürme“ von 1981, an dem auch Claudia Roth mitarbeitete Bild: Rio Reiser-Archiv/DLA

Claudia Roths Frühwerk : Die Erbin der Scherben

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Die „Zeitschrift für Ideengeschichte“ feiert die neue Kulturstaatsministerin mit Sondierungen zur Früh- und Vorgeschichte ihres kulturpolitischen Engagements.

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          Elsässer könnten beim Hörverstehen des Parteinamens „La République en marche!“ auch auf den Gedanken kommen, die Republik sei „am Arsch“, wie das Plakat einer satirischen Revue in Straßburg vor Kurzem verriet. Die Neigung zu Wortspiel und derbem Kalauer ist aber wohl bei Satirikern in aller Welt ausgeprägt, und sie war es bekanntlich auch in der zwischen radikalem Ernst und satirischem Humor changierenden deutschen Sponti-Szene, die nach 1968 entstand. In deren Geist formte sich die Band Ton Steine Scherben, die 1969 den Slogan „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ in ein Lied für ein agitierendes Theaterstück verwandelte. Es wurde zu einer Hymne der Protestkultur.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Bald darauf hatte der Sänger Rio Reiser (bürgerlich Ralph Möbius, der Künstlername war inspiriert von Karl Philipp Moritz’ Künstlerroman „Anton Reiser“), weitere Sponti-Ideen. Das hörte man an ihrem „Agitrock“, und man kann es noch eindrucksvoll sehen an dem gut zehn Jahre später entstandenen, hier abgebildeten Papiergedankenspiel aus einer Arbeitskladde für das Theaterstück „Märzstürme“ 1981. Es bezieht sich auf den sogenannten Kapp-Putsch vom 13. März 1920 und den folgenden Ruhrarbeiteraufstand, verbunden mit bundesrepublikanischer Gegenwart: „Die aktivistische Theatergruppe spielte den Aufstand als Lokalrevue, befragte letzte Zeitzeugen und hatte so viel Erfolg, dass die ‚Märzstürme‘ immer wieder auf die Bühne kamen. Es war ein Stück linker Heimatliteratur“, erklären Gunilla Eschenbach, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Literaturarchiv in Marbach, und Sandra Richter, dessen Leiterin, in ihrem Aufsatz zu dem Archivstück im neuesten Heft der „Zeitschrift für Ideengeschichte“ (16. Jg., Heft 2/C. H. Beck), das am morgigen Donnerstag erscheint.

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