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Die elisabethanischen Epochen : Kann denn nicht jedes Land wie Schweden sein?

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Hatten die ursprünglichen Elisabethaner das Meer England unterworfen, so sollten ihre Nachfolger nun mit der Luft ein neues Element erschließen. Ehrgeizige Pläne zur Entwicklung militärischer und ziviler Flugzeuge wurden bereits in den vierziger Jahren aufgelegt. Schon 1954 aber waren die Vorzeigeprojekte der britischen Luftfahrtindustrie Embleme tragischen Scheiterns und schließlich kollektiven Versagens geworden: allen voran das weltweit erste Düsenpassagierflugzeug, die „Comet“, über die der Historiker Corelli Barnett urteilte, es habe bei der Gestaltung von Anfang an sowohl an Pragmatismus als auch an Expertise gemangelt – ein Versagen, das den Verfall der britischen Industrie vorweggenommen habe.

Prospero – Vom Theater in den Orbit

Ein letztes Echo der jungelisabethanischen Zuversicht war 1971 zu vernehmen, als Großbritannien endlich einen Satelliten in die Erdumlaufbahn brachte – er trug den Namen Prospero, nach dem Entdecker wider Willen aus Shakespeares „Sturm“. Verfilmt wurde das Spätwerk 1979 von Derek Jarman, der im Jahr zuvor mit dem Film „Jubilee“ Elisabeth I. durch den Luftgeist Ariel aus demselben Stück in die heruntergekommene Gegenwart hatte transportieren lassen: Kulturkritik im Gewand der Zeitreise.

Politisch gefasst dauerte das neue elisabethanische Zeitalter von der Rückkehr Churchills 1951 bis zum Rücktritt Anthony Edens 1956. Spätestens mit dem diplomatischen Fiasko von Suez trat die politische Ernüchterung ein; folgerichtig begab sich Großbritannien mit der Vereinbarung von Nassau 1962 in eine strategische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten, die ein Hauptgrund für Charles de Gaulles Veto gegen den EWG-Beitritt war. Doch damit war das elisabethanische Motiv keineswegs erledigt. Kaum hatte „diese ihrer Demütigung erst jetzt innewerdende Nation“, von der Karl Heinz Bohrer 1977 für diese Zeitung schrieb, das silberne Thronjubiläum der Königin trotz aller Unkenrufe würdevoll begangen, schien der Mantel der großen Tudor-Königin auf eine andere überzugehen.

Margaret Thatcher war wie Elisabeth I.

Bohrer ließ noch einmal die neuelisabethanische Erinnerung aufleben, indem er die zu den Jubiläumsfeierlichkeiten im ganzen Land entzündeten Feuer als „zeremonielle Wiederholung jener Warnfeuer“ beschrieb, „die von Cornwall bis nach Dover aufflammten, als die spanische Armada in den englischen Kanal eindrang“. Schon ein Jahr später zeichnete Nicholas Garland, der Karikaturist des „Daily Telegraph“, die damalige Oppositionsführerin Margaret Thatcher als Elisabeth I. Auch Irene Morra lässt den Gedanken zu, dass Thatcher den Geist des elisabethanischen Zeitalters zumindest in einigen Aspekten überzeugender verkörpert habe als die Königin selbst: durch den Sieg im letzten großen Kolonialkrieg, aber vor allem durch das kommerzielle Freibeutertum, wie es auch am Anfang des britischen Weltmachtstrebens stand.

Die Nachricht vom Tod ihres Vaters Georg VI. hatte Prinzessin Elisabeth auf einer Reise durch das schon um das Kronjuwel Indien verminderte, doch noch immer beachtliche Weltreich ereilt. Am absehbaren Ende ihrer Regierungszeit erscheinen die beiden elisabethanischen Zeitalter eben nicht als analoge Vorgänge der Wiedergeburt, sondern vielmehr als Klammer, innerhalb derer sich Auf- und Abstieg Großbritanniens als imperialer Macht vollzogen hat.

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