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Die elisabethanischen Epochen : Kann denn nicht jedes Land wie Schweden sein?

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Ein Vergleich zwischen Königinnen

Die in der Nachkriegszeit angerufenen historischen Analogien waren viel direkter. Prägend wirkte der Historiker A. L. Rowse mit seiner Geschichte des „Age of Elizabeth“ von 1950, deren Einleitung an die Abwehr der spanischen Armada 1588 erinnert: „Die Menschen Englands haben in unserer Zeit eine schicksalhafte Krise überstanden, dergleichen sie zuletzt im Zeitalter Elisabeths zu bestehen hatten.“ Damit war ein Thema vorgegeben, das auch das 1951 veranstaltete „Festival of Britain“ bestimmte und das 1952 im Augenblick der Thronbesteigung einer zweiten, Jugend und Hoffnung ausstrahlenden Elisabeth nur noch mit ihrem Namen versehen werden musste.

Ein Shakespeare für das neue elisabethanische Zeitalter war nicht in Sicht, also trug zunächst die Oper die Hoffnungen auf eine neue kulturelle Blüte. Benjamin Brittens „Gloriana“ indessen, mit einer altersmüden, melancholischen Königin im Mittelpunkt – das Libretto von William Plomer basierte auf Stracheys „Elizabeth and Essex“ –, verfehlte dieses Bedürfnis spektakulär, unter dem Gelächter der Premierengäste. Die Kulturförderung verlegte sich wieder auf die Pflege der Werke Shakespeares; daneben gewann das Ballett an Bedeutung. Britten zog sich ins Küstendorf Aldeburgh zurück und baute dort, ganz unabhängig von nationalen Repräsentationsbedürfnissen, ein strahlendes kulturelles Zentrum auf.

Elisabeth I. habe sich mit den besten Umgeben

Der Hof hingegen enttäuschte die Renaissancegesinnten. Der Journalist und spätere Bühnenautor Keith Waterhouse beklagte schon 1956, der Hof habe die Chance verpasst, an die Kultur der großen Vorgängerin anzuschließen – Elisabeth I. habe sich mit den Besten ihres Volkes umgeben; nun bleibe die weithin machtlose Königsfamilie unter sich. Ähnlich lautete im Jahr darauf auch die Kritik des zweiten Barons Altrincham – eine Episode, die ebenfalls in „The Crown“ dramatisiert wird. Der Peer, Sohn eines nobilitierten Journalisten und Gouverneurs von Kenia, hatte die Königin zu deren Ungunsten nicht nur mit ihrem Großvater Georg V. verglichen, sondern auch mit ihrer illustren Vorgängerin, an deren Hof es niemals so banal hätte zugehen können. Zudem klinge sie – und hier überschritt der Lord vollends die Schwelle zur Majestätsbeleidigung, wofür ein militanter Monarchist seine Königin mit einem Fausthieb rächte – wie eine Nervensäge („a pain in the neck“). Altrincham legte 1963 nach der Reform des erblichen Adels seinen Titel nieder und veröffentlichte unter seinem bürgerlichen Namen John Grigg eine mehrbändige Biographie des radikalen Premierministers David Lloyd George.

Mit fast 70 Jahren auf dem Thron ist Königin Elisabeth II. die dienstälteste Monarchin Großbritanniens.
Mit fast 70 Jahren auf dem Thron ist Königin Elisabeth II. die dienstälteste Monarchin Großbritanniens. : Bild: AP

Bezeichnender als die quasiamtlich unter dem Banner des Neuelisabethanismus auftretenden Werke sind womöglich populärkulturelle Phänomene, in denen sich der zwiespältige Charakter der Epoche zeigt. Im Krönungsjahr 1953 erschien Ian Flemings Debütroman „Casino Royale“; mit ihm betrat James Bond als Garant andauernder britischer Potenz die Weltbühne. Eine spätere Inkarnation Bonds traf dann mit einer anderen scheinbar überpersönlichen Verkörperung der britischen Nation, nämlich der Queen selbst, 2012 zu den Olympischen Spielen zusammen, in deren Eröffnungszeremonie man vielleicht eine Aktualisierung des Festival of Britain erkennen mag.

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