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Gefährdete Arten : Die düstere Zukunft der Reptilien, Kakteen und Meeresbewohner

  • -Aktualisiert am

Die Zukunft der Krokodile ist höchst unsicher. Bild: ddp

Die Erde am Beginn eines Massensterbens: Verschiedene Studien finden Hinweise auf eine besorgniserregende Gefährdung der Biodiversität.

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          Etwa 21 Prozent der Reptilien sind vom Aussterben bedroht – so das Ergebnis einer erstmals für die gesamte Klasse durchgeführten Untersuchung, die vergangene Woche in „Nature“ veröffentlicht wurde. Ein internationales Forscherteam hat Daten zu Populationsgrößen, Verbreitungsgebieten und Physiologie von über zehntausend Reptilienarten zusammengetragen und diese nach Richtlinien der Weltnaturschutzunion (IUCN) in Gefährdungskategorien eingeteilt. Krokodile (58 Prozent der Arten) und Schildkröten (50 Prozent) sollen besonders stark bedroht sein. „Das sind besorgniserregende Nachrichten“, sagt Alex Slavenko, Zoologe an der Universität Tel Aviv. „Beides sind absolute Schlüsselarten in den entsprechenden Ökosystemen.“

          Reptilien sind deutlich schlechter untersucht als andere Wirbeltierklassen. Die meisten Arten würden zurückgezogen in schwer zugänglichen Gebieten leben, erzählt Slavenko, was langjährige Beobachtungen von Populationen schon immer erschwert habe. Zweitautor Bruce Young nennt die von seinem Team durchgeführte Arbeit eine gewaltige Anstrengung: „Die Datenlage ist wirklich schlecht.“ Gefährdungsbewertungen werden zwar seit Jahrzehnten erstellt, sind aber in der Regel auf einzelne Arten und bestimmte Regionen beschränkt. Die globale Untersuchung erlaube es nun, Wissen zum Zustand von Reptilienpopulationen in die Planung entsprechender Schutzmaßnahmen einfließen zu lassen.

          Welche Rolle spielt der Klimawandel?

          Überraschenderweise konnte die Studie feststellen, dass sich die wichtigsten Gefährdungsursachen kaum von denen anderer Wirbeltiere unterscheiden. Als zentral werden landwirtschaftliche Bodennutzung, Waldrodungen, invasive Arten und Urbanisierung genannt. Da sich alle Prozesse besonders stark auf Wälder auswirken würden, seien dort lebende Arten besonders bedroht. Am stärksten gefährdet sind Reptilien der Studie zufolge in Südostasien, Westafrika, der Karibik, den nördlichen Anden sowie auf Madagaskar. Welche Rolle der Klimawandel spielt, kann bislang nur schwer quantifiziert werden. Die Studie vermutet, dass höhere Temperaturen und veränderte Niederschläge für rund zehn Prozent der gefährdeten Reptilien verantwortlich sind. „Es fehlt allerdings Wissen, inwieweit Reptilien durch Migration oder physiologische Anpassungen auf Klimaänderungen reagieren können“, sagt Young. Die Schätzungen seien ausdrücklich vorläufig. Mit dem Meeresspiegelanstieg und erhöhter Waldbrandgefahr seien einige Nebeneffekte der Erwärmung zudem gar nicht erst untersucht worden.

          Dass die Gefährdungsursachen zwischen den Wirbeltierklassen so stark übereinstimmen, bewertet Young positiv. „Wir wissen, wie wir diese Probleme angehen können. Jetzt braucht es den politischen Willen, entsprechend zu handeln.“ Die Studie ergab sogar, dass Reptilien und weitere Wirbeltiere in der Regel an denselben Orten besonders stark gefährdet sind. Dass es auch Ausnahmen gibt, betont Alex Slavenko: „Reptilien sind sehr anfällig auf kleinen Inseln, wo nicht zwangsläufig andere Wirbeltiere leben müssen. Hier hat ein großer Teil der zuletzt nachgewiesenen Aussterbeereignisse stattgefunden.“

          Generell werden mit Blick auf den Gefährdungsstatus verschiedenster Lebewesen immer mehr Datenlücken geschlossen. In „Nature Plants“ erschien Mitte April eine Untersuchung, die einen negativen Einfluss der Klimaerwärmung auf das Verbreitungsgebiet von 60 bis 90 Prozent aller Kakteenarten feststellen konnte. Eine weitere Studie, veröffentlicht in „Science“, warnt vor einem Massensterben im Ozean: Sollte die Durchschnittstemperatur an der Erdoberfläche bis ins Jahr 2100 um mehr als vier Grad ansteigen, sei ein den fünf großen Massensterben der Vergangenheit in nichts nachstehendes Ereignis die logische Konsequenz.

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