https://www.faz.net/-gwz-u61u

Frage 5 : Warum müssen wir die Emissionen halbieren?

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die EU-Klimaschutzpolitik verfolgt das Ziel, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius zu begrenzen. Das hört sich nicht besonders schwierig an. Doch schon Schwankungen von nur wenigen Grad haben gravierende Auswirkungen auf das Weltklima.

          2 Min.

          Die Dürren im Sommer werden heute bereits sengender, die Wirbelstürme über dem Atlantik zerstörerischer, und Jahrhundertfluten suchen uns nicht nur einmal im Jahrhundert heim. Dabei liegen die Mitteltemperaturen der Erde erst 0,8 Grad über den Werten, die für eine vom Menschen unbeeinflusste Klimaentwicklung erwartet würden. Von welchem Grad von Erwärmung an wird der Klimawandel existentiell gefährlich? Eine Antwort ist schwierig. Die wissenschaftliche Studie, die besagt, dass gefährlicher Klimawandel erst bei einer durchschnittlichen Erwärmung von zwei Grad Celsius anfängt, wird es wohl nie geben. Ähnlich sinnlos wäre die Aussage, dass Tempo 160 auf Autobahnen gefährlich ist und Tempo 120 nicht.

          Der menschgemachte Klimawandel verlangt schon heute seine ersten Opfer. Die Hitzetoten während des europäischen Jahrhundertsommers 2003 gehen sehr wahrscheinlich auf sein Konto, auch die Opfer des Wirbelsturms „Katrina“. Die Frage, wann der Klimawandel für die Weltgemeinschaft als gefährlich eingestuft wird, ist eine Abwägungssache. Hierfür braucht es die Politik, nicht die Wissenschaft.

          Fieber der Erde unter zwei Grad

          Die Europäische Union verfolgt in ihrer Klimaschutzpolitik das Ziel, das Fieber der Erde auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Zwei Grad über vorindustriellem Niveau bedeuten rund 1,5 Grad über dem Niveau von 1990 - oder 1,2 Grad über dem heutigen. Zwei Grad, das klingt nach mildem Wetter. Aber bei vier bis sieben Grad globaler Abkühlung versank Deutschland unter einer Eisdecke. Das war in der Eiszeit vor rund einundzwanzigtausend Jahren der Fall. Jetzt geht es von der Warmzeit in die Heißzeit.

          Der IPCC zufolge kann schon eine Erwärmung um durchschnittlich 1,9 Grad richtig ungemütlich werden. Der kilometerdicke grönländische Eispanzer könnte anfangen zu tauen. Kommt dieses Abschmelzen erst einmal richtig in Gang, lässt es sich über Hunderte von Jahren nicht mehr stoppen - bis es keinen Eisschild mehr gibt. Gleichmäßig auf den Globus verteilt, ließe das Schmelzwasser den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen. Vor 125.000 Jahren war es schon einmal so warm wie heute. Der Meeresspiegel war damals vier bis sechs Meter höher.

          Chance von mindestens 50:50

          Um eine Chance von mindestens 50:50 zu haben, die Zwei-Grad-Celsius-Linie noch zu halten, sind große Anstrengungen nötig. Die globalen Treibhausgasemissionen müssten in den nächsten zehn Jahren ihren Sattelpunkt erreichen und dann bis 2050 halbiert werden. Ansonsten wird es durchschnittlich drei oder sogar vier Grad wärmer. Sind solche Emissionsreduktionen realistisch?

          Die Antwort ist klar: Nicht, wenn die bisherige Politik in Deutschland, dem angeblichen Weltmeisterland des Klimaschutzes, ein Gradmesser für den politischen Willen weltweit ist: Die deutsche Industrie wehrt sich gegen EU-weite, strenge Kohlendioxidgrenzwerte für alle Autos, die Regierung verschenkt Erlaubnisscheine für Kohlendioxidemissionen. Wir müssen viel ändern, wenn der Klimawandel unser Leben nicht grundlegend ändern soll.

          Weitere Themen

          Den Trauben fehlte das Wasser

          Weinlese im Rheingau : Den Trauben fehlte das Wasser

          Die alljährliche Weinlese im Rheingau läuft derzeit auf Hochtouren. Das Weinanbaugebiet leidet in diesem Jahr allerdings unter den Auswirkungen der Hitze – und rechnet mit einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte.

          Nobelpreisträger von 1901 bis 2019 Video-Seite öffnen

          Im Überblick : Nobelpreisträger von 1901 bis 2019

          Der Nobelpreis wurde von dem schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel das erste mal 1901 gestiftet. Die interaktive Übersicht informiert Sie über die Preisträger aus den unterschiedlichen Kategorien.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.