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Soziale Systeme : Universitäten unter Leistungsdruck

  • -Aktualisiert am

Helfen neue Verwaltungsstellen wirklich um Forschung und Lehre zu verbessern? Soziologen bezweifeln dies schon lange. Bild: Peter Kneffel/dpa

Durch Leistungsvegleiche stehen Universitäten heute zunehmend unter Druck ihre Qualität verbessern zu müssen. Immer neue Stellen zur Leistungssteigerung entstehen zu diesem Zweck – eine neue Untersuchung stellt diese Strategie in Frage.

          Überall auf der Welt sind die Universitäten periodisch wiederholten Leistungsvergleichen ausgesetzt. Einige unter ihnen reagieren darauf, indem sie für möglichst jeden Aspekt ihrer Leistungsbilanz einen eigenen Spezialisten anstellen, der sich um die Verbesserung der entsprechenden Kennziffern bemüht. Es sollen also die Quote der Studienabbrecher gesenkt, der Notendurchschnitt verbessert, die Forschungsleistung gesteigert und die Wege der Absolventen in den Arbeitsmarkt verkürzt werden.

          Aber was können all diese Fachleute tun, die ja ihrerseits weder an der Forschung noch an der Lehre oder an den Personalentscheidungen der Wirtschaft beteiligt sind, sondern all dies nur aus der Distanz beobachten können? Manche von ihnen sind damit befasst, den Studenten, so diese es wünschen, ihre Schreibhemmungen abzutrainieren oder sich bei Wissenschaftlern, die wenig publizieren, nach den dafür bestehenden Gründen zu erkundigen.

          Andere sorgen für ein Angebot an Kursen, in denen Professoren didaktische Kenntnisse erwerben können, häufig ohne viel Resonanz, und wieder andere konzentrieren sich auf Wohlfühlbegriffe wie Lehrkultur und schreiben schließlich sogar längere Texte darüber, die jeder Lehrende weltfremd findet.

          Leistungsverbesserung in Forschung und Lehre

          Angesichts knapper Mittel kann das Wachstum im Bereich dieser gutgemeinten Stabsstellen auf Kosten des wissenschaftlichen Personals gehen. Schon hört man Professoren klagen, es sei an ihrer Universität inzwischen leichter, drei neue Stellen für erfolgreiche Arbeitsvermittlung einzurichten als eine neue Professur. Die offizielle Rechtfertigung für dieses Anwachsen der Verwaltungsstellen lautet natürlich, dass die Universität nur auf diese Weise im allgegenwärtigen Wettbewerb zu bestehen vermöge und dass dies am Ende doch auch den Professoren zugutekomme.

          Den Klagen jener Professoren, die sich hier ja als Interessenten und nicht als Wissenschaftler äußern, muss man nicht unbedingt glauben. Aber auch Organisationssoziologen werden dazu tendieren, die Vermehrung der Fachleute für Qualitätsverbesserung für ineffektiv zu halten.

          Sie sehen das Hauptproblem darin, dass es weder für Forschung noch für Lehre eine erfolgssichere Technologie gibt. Die Forschung, so ein Argument, habe es mit unbekannten Sachverhalten zu tun und die Lehre mit frei über sich selbst verfügenden Individuen, und weder hier noch dort lasse sich der gewünschte Erfolg einfach herbeiorganisieren.

          Datenerhebung zur Effektivität von Fachleuten

          Die Hochschulleitung könne, so Niklas Luhmann in einem Text, den er Reinhard Mohn, dem Gründer der Bertelsmann Stiftung, einst zum Geburtstag schrieb, auf Forschung und Lehre nicht wirklich zugreifen. Das zu erwartende Resultat sei daher auch nicht, dass mehr gelernt oder besser geforscht werde, eher schon sei zu erwarten, dass eine Bürokratie die andere reformiere, und zwar mit dem einzigen Ergebnis, dass beide anwachsen.

          Nun hat die britische Organisationssoziologin Roxana-Diana Baltaru eine Untersuchung vorgelegt, die sich erstmals empirisch mit der Frage nach der Effektivität jener neuartigen Verwaltungsstellen befasst.

          Für einhundert Universitäten ihres Landes lagen ihr anderweitig schon erhobene Daten vor, die ihr für das knappe Jahrzehnt zwischen den Jahren 2003 bis 2011 zwei Dinge zeigten: die Karriere der untersuchten Universitäten in den Rankings dieser Zeit und die Änderungen in der Zusammensetzung ihres Personals.

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          Also konnte sie fragen, ob Universitäten, die Stellen für Leistungsverbesserung eingerichtet haben, dafür durch bessere Werte in Leistungsvergleichen belohnt wurden. Um den gesuchten Effekt zu isolieren, wurden andere Variablen wie etwa die Größe der Universität, die Höhe der Zulassungshürden oder die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Lernenden kontrolliert.

          Ergebnis der Erhebung

          Die sorgfältige Untersuchung führt zu einem recht eindeutigen Ergebnis. Der einzige Punkt, an dem die Investition in die hauseigenen Berufsreformer sich auszahlte, waren leichte Zunahmen in den Abschlussquoten der Studenten, und auch dies nur bei maßvollem Einsatz zusätzlichen Personals. Vereinfacht gesagt: Eine einzige Stelle mit entsprechender Zuständigkeit mag sich lohnen, aber drei davon verdreifachen nicht etwa den gesuchten Erfolg, eher im Gegenteil.

          Auf andere Aspekte in der Leistungsbilanz der Universität hatte der vermehrte Einsatz der Fachleute keine Auswirkungen. Wohl aber zeigte sich, dass günstigere Betreuungsrelationen – und das kann heißen: die Investition in mehr Professuren – neben der Forschungsqualität auch die Abschlussnoten und Arbeitsmarktchancen der Absolventen verbesserten.

          Für Organisationssoziologen kommt dieses Ergebnis nicht überraschend. Sie können es vielmehr als Bestätigung ihrer eigenen Theorie über den Sonderstatus der Universitäten unter den Organisationen der modernen Gesellschaft lesen. Universitäten sind keine schlecht geführten Unternehmen, sondern soziale Gebilde eines anderen Typs: Ihnen fallen Erfolge wie Misserfolge eher zu, als dass sie in durchsichtigem Zusammenhang zu eigenen Entscheidungen stünden.

          Literaturhinweis

          Roxana-Diana Baltaru, Do non-academic professionals enhance universities' performance?, in: Studies in Higher Education 43 (2018), S.1-15.

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