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Risiko Genmais? Den Doppelbeleg, bitte! : Windelweiches Wissen

Der betrügerische Klonforscher Hwang hatte seine erfundenen Daten in einem der wichtigsten Wissenschaftsblätter der Welt,  „Science“, publiziert.

Zwei aktuelle Fälle, in denen der Wissenschaftsbetrieb zum Reparaturbetrieb mutierte und nichts zu gewinnen, aber vor allem eines zu verlieren hat: seine Integrität. Es gibt Dutzende weiterer, zum Teil spektakuläre Fälle allein aus der jüngsten Zeit: Die vermeintlichen Arsen-Bakterien der Nasa etwa, die als mögliche alternative extraterrestrische Lebensform in einer „Science“-Pressekonferenz präsentiert wurden. Gut in Erinnerung auch die Betrugsfälle, die etwa zur öffentlichkeitswirksamen Verkündung der ersten Klonierung von Menschen durch eine koreanische Gruppe geführt hatten. Im vorigen Jahr haben Wissenschaftler von Bayer Health-Care versucht, 67 vorklinische Experimente mit vermeintlich neuen Wirkstoffkandidaten zu reproduzieren. Ergebnis: In drei Viertel der Fälle scheiterten sie. Wie fatal die Situation ist, wird auch anhand einer aktuellen Untersuchung von Arturo Casadevall von der Washington University School of Medicine deutlich. Zusammen mit seinen Kollegen berichtet er in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften, wie viele Paper aus den Lebenswissenschaften seit Aufnahme in der zentralen Literatur-Datenbank „Pubmed“ im Jahre 1940 offiziell widerrufen wurden. Es waren 2047 Artikel. Entscheidend ist der Trend: Nachdem die ersten wegen Betrug, Manipulationen oder schlechter Methodik zurückgezogenen Veröffentlichungen im Jahr 1973 auftauchten, verschlimmerte sich die Situation sukzessive. Seit Mitte der siebziger Jahre hat sich die Zahl verzehnfacht, und besonders gravierend: In fast zwei Drittel der Fälle handelte es sich um wissenschaftliches Fehlverhalten, damit man in einflussreiche Wissenschaftsjournale kommt - um Betrug in 43 Prozent der Fällen und um Plagiate in 15 Prozent.

Damit wird eine Initiative zunehmend interessant, die Lücken im Gutachterwesen und gezielte Manipulationsversuche möglicherweise zu einem großen Teil unterbinden könnte - wenn sie denn Schule macht: Es geht um die vor einem Monat von einem Startup-Unternehmen und der Open-Access-Zeitschrift „PlosOne“ ins Leben gerufene „Reproducibility Initiative“ (scienceexchange.com). Bei brisanten Forschungsergebnissen, so die Idee, sollen die Forscher die Möglichkeit erhalten, ihre Arbeit zu etwa einem Zehntel der Kosten der ursprünglichen Ergebnisse von unabhängigen Laboren reproduzieren zu lassen. Die Arbeit wird anschließend mit einem Zertifikat publiziert, das die Verifikation der Ergebnisse ausweist. Die Initiative hat dazu ein Netzwerk von etwa tausend Laboren aufgebaut.

Warum nicht anders herum: eine Kennzeichnungspflicht für nicht reproduzierte Arbeiten - ein unter dem Autorenverzeichnis deutlich sichtbarer Hinweis, dass der vorgestellte Befund noch nicht von unabhängig Seite bestätigt wurde. Mit einem solchen Label versehen könnte auch die Unterrichtung der Öffentlichkeit öfter mal weniger sensationalistisch ausfallen, als es in der kurzatmigen Welt von heute schon gewohnheitsmäßig der Fall ist.

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