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Palästinensische Archive : Niemand vergreift sich an Heeresgut

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Vorspann eines von der PLO gedrehten Films über deren Trainingslager in Kuweit, versehen mit einem Vermerk des israelischen Militärarchivs. Screenshot aus Rona Selas Film „Looted and Hidden Palestinian Archives in Israel“. Bild: Rona Sela

Beschlagnahmt und auf Dauer mit Beschlag belegt: Weitgehend vergeblich bemühen sich israelische und palästinensische Forscher um Zugang zu palästinensischem Archivgut in israelischem Besitz.

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          In der Debatte über die Restitution von durch Kolonialmächte vereinnahmten Kulturgütern spielt die Frage des Umgangs mit beschlagnahmten Archiven nur eine marginale Rolle. In bestimmten Ländern gewinnt sie jedoch an Brisanz, weil das Thema Archivpolitik als Teil der nationalen Identitätspolitik zunehmend kritisch reflektiert wird. Impulse kommen dabei nicht nur vonseiten der Beraubten, sondern auch aus den wissenschaftlichen Gemeinden der einstigen oder noch aktiven Kolonisatoren. Zu letzteren zählt die an der Universität Tel Aviv lehrende Kunsthistorikerin Rona Sela den Staat Israel, der militärische Operationen wiederholt dazu genutzt hat, sich palästinensischer Archive und Privatsammlungen zu bemächtigen. In einem Aufsatz erörtert sie einen besonders eklatanten Fall: die Beschlagnahme sämtlicher Archivbestände in der Zentrale der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Beirut 1982 („The Genealogy of Colonial Plunder and Erasure – Israel’s Control over Palestinian Archives“ in: Social Semiotics, Bd. 28, Heft 2, 2018 / Taylor & Francis).

          Schon ein Jahr nach ihrer Gründung 1964 richtete die PLO in Beirut neben dem dort seit 1963 bestehenden akademisch ausgerichteten „Institut für Palästinensische Studien“ – Herausgeber des „Journal of Palestine Studies“ – das stärker politisch orientierte „Palästina-Forschungszentrum“ ein. Dazu gesellte sich 1970 die zunächst in Jordanien ansässige Filmabteilung der PLO, die sich nach ihrer Verlegung nach Beirut „Palästinensisches Kino-Institut“ nannte.

          Die beiden letztgenannten Einrichtungen, die in der Beiruter PLO-Zentrale untergebracht waren, hatten den Auftrag, den palästinensischen Befreiungskampf und das Leben der Flüchtlinge zu dokumentieren. Das Forschungszentrum, das eine umfangreiche Bibliothek aufbaute, trug darüber hinaus mit einer Reihe eher populärwissenschaftlicher Publikationen zur Vertiefung der Kenntnisse über die palästinensische Geschichte bei. Abgesehen von der Darstellung des israelisch-palästinensischen Konflikts aus der Sicht der Palästinenser wurde auch über Israels Staatsinstitutionen und Gesellschaft geforscht.

          Israelische Gesetzbücher ließ man liegen

          Als die israelische Armee 1982 in Beirut einmarschierte, setzten sich die meisten PLO-Milizionäre mit Handgepäck und Waffen nach Tunis ab. Die Israelis fuhren mit Lastwagen vor der eiligst verlassenen PLO-Zentrale vor und luden neben den Bibliotheksbeständen alle auffindbaren Unterlagen ein – Sitzungsprotokolle der Knesset und israelische Gesetzbücher ließ man allerdings liegen. Im November 1983 wurden im Rahmen eines Gefangenenaustausches auch konfiszierte Archivbestände des Palästina-Forschungszentrums, die in Israel kopiert worden waren, an die PLO zurückgegeben. Die Vereinbarung berührte jedoch nicht die beschlagnahmten Film- und Fotografiesammlungen des Kino-Instituts. Diese werden seitdem mit den Kopien der Bestände des Palästina-Forschungszentrums im israelischen Militärarchiv in Kiryat Ono bei Tel Aviv unter Verschluss gehalten. Rona Sela führt seit knapp zwei Jahrzehnten einen zähen bürokratischen Kampf um das Recht, Einsicht in die erbeuteten Archive zu erhalten – bislang mit relativ begrenztem Erfolg.

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